Reiseberichte

Törn nach Edinburgh und zurück an der ost-englischen Küste bis in die Niederlande

Nautische Unterlagen:

 

Törnführer: Reeds 2017, North France & Belgium Crusing Companion, IMRAY East Coast Pilot, IMRAY North and East Scotland

Kartenmaterial: Navionics Gold 28 XG, IMRAY 2000 Suffolk & Essex Coasts, IMRAY CHART C 27, C 24, C29, C 30, C31, Niederländische Seekarten 1801, 1803, 1805

Gezeiten: NL-Tides HP33D, NP233 Admiralty Tidal Stream Atlas Dover Strait, NP249 Admiralty Tidal Stream Atlas Thames Estuary

 

Tag 1: Dintelmond – Zierikzee 24,7 nm 

Mit den letzten Einkäufen von frischen Lebensmitteln schließen wir am Freitagabend die Törnvorbereitungen ab. Die Verproviantierung ist so ausgelegt, dass wir für 4 bis 5 Tage theoretisch auf See kochen könnten. Am Samstag warten wir noch einige heftige Regenschauern ab, bevor wir Richtung Oosterschelde, Roompot aufbrechen. Der Wind bläst kräftig mit 5 bis 6 Bft. und lässt auch nach der Krammersluis nicht nach. Im Gegenteil, vor der Zeelandbrug briest es auf 6 Bft. in Böen auch schon mal 6-7 Bft. auf. Eine knackige Fahrt über die Oosterschelde – das wäre ein schöner Satz für das Logbuch, dachte ich gerade, als es ein lautes, metallisches Geräusch gibt. Der Traveller ist irgendwo eingerastet? Nein, der Block der Großschot war gebrochen. Auf einer Seite zum Glück, so dass die Eisenverbindung nicht ganz abreißt. Schnelle Reaktion – in den Wind gesteuert, Großsegel herunter, Vorsegel ebenfalls runter und Motor an. Da wir gerade an der Hafeneinfahrt von Zierikzee vorbeigefahren sind, machen wir kurzerhand kehrt und laufen in den Hafenkanal ein. Sofort nach dem Anlegen beim WSV Zieriksee radelt Thomas mit dem Fahrrad des Hafenmeisters ins Dorf und kauft beim Yachtladen einen Block. Leider passt dieser nicht 100 Prozent. Daher wird eine Konstruktion mit einem Dyneema Tampen gebastelt. Der provisorische Block ist perfekt, äußerst haltbar und belastbar und auch flexibel drehbar. Unser Liegeplatz direkt am Hafenkanal ist richtig schön, ruhig und trotzdem mit Aussicht. Mit Lachs vom Grill sitzen wir in der lauen Abendluft noch lange im Cockpit.

 

Tag 2: Zierikzee – auf See 51°44,622´N  002°46,202´E  54,8 nm 

Von Zierikzee zur Roompotschleuse segeln wir in zügiger Fahrt. Als ob er schon gewartet hätte öffnet der Schleusenwärter das Tor. Ab geht’s auf die Nordsee. Durch Unrust und Fahrwasser Roompot segeln wir mit bis zu 7 Knoten und kommen bis zum späten Nachmittag schnell voran. Mit dem Kentern des Stroms lässt der Wind komplett nach. Vor der riesigen Windfarm Gebiet Lodeweik starten wir den Motor und bergen die Segel. Wir waren zuvor fast drei Stunden mehr oder weniger nur dahin gedümpelt und trieben mehr und mehr auf den Windpark zu. Für knapp eine Stunde motoren wir um dann vor Einbrechen der Dunkelheit erneut die Segel zu setzen. Die ruhige Fahrt nutzen wir, um einen leckeren Nudelauflauf zu verspeisen. Den Rest davon verputzt der Skipper am nächsten Morgen zum Frühstück. Kurz vor Mitternacht beginnen wir, Nordhinder Junktion zu durchqueren.

 

Tag 3: auf See 51°44,622´N  002°46,202´E  – auf See 53°18,717´N  001°35,070 E  114,7 nm 

Wir weichen sicherheitshalber zwei entgegenkommenden Frachtschiffen weiträumig aus. Der Wind kommt nach der großen „Kreuzung“ bereits gut achterlich. Mit Bullenstander gesichert flitzen wir dahin. Ab sechs Uhr mit der ersten Sonne wird das Solarpaneel ausgepackt. Die Efoy war in der Nacht bereits einmal angesprungen und hatte die Batterie ausreichend aufgeladen. Das Energiekonzept funktioniert also effektiv und sicher. Wir können tagsüber bei Bedarf den Pinnenpilot anschalten, so dass theoretisch immer einmal wieder einer von uns beiden die Augen zumachen kann. Das fällt jedoch am ersten Tag noch schwer. So richtig müde ist ja auch noch keiner von uns. Die Küstenverkehrszone vor dem River Wash ist äußerst stark befahren. Fischer, Frachter und ein Militärboot, das auf dem AIS nicht sichtbar ist, fahren nah bei uns vorbei. Das Militärboot scheint zu patrouillieren, zu welchem Zweck können wir nicht in Erfahrung bringen. Auf Kanal 16 gibt es keine Hinweise dazu. Um die Mittagszeit begleiten und lange Zeit Delfine. Zuerst sind es zwei, danach vier Tiere, die recht groß sind und graue Rücken und helle Stellen am Bauch haben. Unser Kurs führt uns derweil immer höher an den Wind heran, der zwischenzeitlich auf bis zu 6 Bft. bläst. Nach dem Passieren von Smith Knoll segeln wir sehr hoch am Wind. Vollständige Flauten wechseln sich mit mäßigen winden von 3-4 Bft. ab. Eine Zeit lang fahren wir auf einem Kreuzkurs, dann dreht der Wind und wir trimmen die Segel auf achterlich. Auch nach Mitternacht lässt der Wind absolut nach.

 

Tag 4: auf See 53°18,717´N  001°35,070 E   – auf See 54°30,320´N  001°04,695 E  92,5 nm          

Um kurz vor zwei ist der Wind 0 und wir entscheiden, den Motor für einige Stunden mitlaufen zu lassen. Die Gasfelder, die wir durchfahren, sind mit riesigen Gas-Fördertürmen und –Plattformen übersät. Sie sehen aus wie die großen Walker aus den Starwars-Filmen. Auf vier oder acht Stelzen stehen sie jeweils in Feldern von 3 oder 6 Stück zusammen. Lange Zeit dümpeln wir querab von einer Mini-Stadt auf dem Wasser. 190 Meter lang ist die strahlendhell erleuchtete Plattform. Versorgungsschiffe und Hubschrauber kommen an und fliegen oder fahren wieder weg. Im Licht der aufgehenden Sonne oder auf der bleigrauen, kaum bewegten Meeresoberfläche am Mittag - irgendwie sind die Ungetüme immer unheimlich. An jedem Feld patrouilliert ein Boot. Setzt man den Kurs ein wenig zu sehr auf die Plattformen ab, kommen die Patrouillieboote sofort auf einen zu. Neben den Patrouillieschiffen gibt es auch SAR Boote und Feuerlöschboote, die zwischen den stelzbeinigen Plattformen herumfahren oder einfach nur auf der Stelle treiben und hoffentlich nicht zum Einsatz kommen. Auf der glatten oder nur mit kleinen Wellen gekräuselten Oberfläche entdecken wir vor Mittag den schwarzen Kopf einer Robbe. Jede Menge Seevögel paddeln auf dem Wasser oder fliegen umher. Gegen 16 Uhr passieren wir den letzten der Türme, den Well Head Tower. Wir fahren direkt auf eine dunkle Wolkenwand zu, die schwer nach Regen aussieht. Der Regen kommt und durchnässt uns vollständig. Keine guten Voraussetzungen bei den kühlen Temperaturen. Doch ist ein negatives Ding nicht genug – vor Einbrechen der Dunkelheit geht der Pinnenpilot kaputt. Der Stecker ist scheint’s von der Feuchtigkeit in Mitleidenschaft gezogen worden. Er lässt sich auch durch Aufschrauben, mit Kriechöl benetzen und andere Versuche nicht mehr reparieren. Für die Nacht nehmen wir das Großsegel weg. Durch den Wegfall des Pinnenpiloten gibt es jetzt keine Ausruhmöglichkeit mehr und wir sind schwer müde.

 

Tag 5: auf See 54°30,320´N  001°04,695 E  – Sunderland Marina 60,5 nm 

Am Morgen gegen 5 Uhr lässt sich das Boot kurzzeitig nicht mehr steuern und auf dem Plotter erkennen wir, dass wir in die Gegenrichtung des gewählten Kurses fahren. Ein Netz im Ruderblatt? Eine besondere Strömung, die uns wegtreibt. Es ist so stockdunkel, dass wir überhaupt nichts erkennen können. Es ist wohl doch nichts Besonderes, denn nach wenigen Minuten sind wir wieder auf Kurs. Gegen 6 Uhr sagt der Wetterbericht, dass für den Nachmittag eine Gewitterfront erwartet wird. Wir diskutieren kurz unsere weitere Fahrt und entscheiden uns, dass wir erst einmal das Festland ansteuern. Nach Lektüre der Hafenführer entscheiden wir uns für Sunderland. Den ganzen Morgen kachelt es mit 5-6 Bft. Obwohl wir nur mit dem Vorsegel unterwegs sind, ist es ein absolut anstrengendes Segeln. Am frühen Nachmittag erreichen wir Sunderland. Der Hafen ist einfach und bei jeder Windrichtung- und Geschwindigkeit anzulaufen. Lediglich aus SE kommend sollte man ca. 1-2 nm Abstand von der Küste halten. Hier gibt es, wie auch im Norden der Hafeneinfahrt einige Felsen. Am besten steuert man direkt aus Osten an. Den gestreiften Leuchtturm (ein sehr schönes Exemplar) an Steuerbord liegen lassen. Die Marina befindet sich auf der Steuerbordseite nach einer engen Durchfahrt. Am besten stoppt man an der Tankstelle, wo sich am Ausgangstor eine Gegensprechanlage befindet. Dort meldet sich schnell der Hafenmeister. Auf den Kanälen 80 und 37, die in den Hafenbüchern und im Reeds angegeben sind, erreichten wir niemanden. Die Marina ist 24 Stunden lang geöffnet. Strom und Wasser gibt es an jedem Steiger. Die Duschen sind äußerst sauber, aber sehr einfach. Beim Eingang zu den Sanitäranlagen gibt es ein besonderes Geheimnis zu entdecken – das wollen wir hier aber nicht verraten. Man liegt alles in allem prima. Mit herrlicher Aussicht mitten zwischen Fischerbooten. In wenigen Minuten erreichen wir fußläufig ein riesiges Einkaufszentrum von Tesco. Auf dem Weg dorthin durchqueren wir schöne Parks und Gärten und besichtigen kurz die St. Peters Church aus dem Jahr 674. Sie steht inmitten einer großen Blumenwiese und man fühlt sich beim Anblick in die Zeit von Robin Hood versetzt. Eine ganz andere architektonische Sehenswürdigkeit ist das National Glass Museum. Leider ist es bereits geschlossen, als wir dort sind. Wer nur eine kleine runde drehen möchte, ist auf dem Sculpture Trail gut aufgehoben, der direkt am Hafen beginnt.

 

Tag 6: Sunderland Marina – auf See 55°34,324´N 001°32,051 W  42,8 nm 

Wir starten gegen Mittag und segeln entlang der Küste. Den Kurs haben wir so abgesetzt, dass wir die Farne Islands an Backbord liegen lassen. Leider ist es bereits dunkel, als wir dort ankommen. Laut Plotterkarte soll ein Floß mit Leuchtmarke noch östlicher als der Leuchtturm Longstone Lighthhouse  liegen. Das wäre auch sinnig, denn es gibt östlich der östlichsten Insel noch tückische Felsen im Wasser. Das Floß ist allerdings nicht mehr da oder war noch nie da. Wir haben den Kurs aber so oder so mit ausreichendem Abstand gesetzt. Nördlich der Farne Islands ist der Strom extrem viel stärke als normal. Wir haben in dieser Zeit zum Glück gute Fahrt und damit keine Probleme, dagegen anzukommen.

 

Tag 7: auf See 55°34,324´N 001°32,051 W – Edinburgh  86,4 nm

Die erste Dämmerung beginnt bereits um 4 Uhr. Morgens taucht in kurzer Entfernung zum Schiff der schwarze Kopf einer Robbe auf. Leider ist sie nicht so neugierig und bleibt auf Abstand. Am frühen Nachmittag laufen wir in den Firth of Forth. Der Wind ist inzwischen bei kontinuierlich 5 Bft. und es geht eine sehr langwierige Kreuzkurs-Fahrt los. Zuerst sind es noch sehr große Schläge, doch später, vor der Insel Inchkeith werden es ganz kleine Schläge. Der Tiefenwasserkanal entlang der Insel sorgt für eine starke Strömung. Da gehen die Kreuzschläge noch weniger weit in die Richtung, in die wir möchten. Trotz aufkommender Müdigkeit und Vorfreude auf das ankommen in Edinburgh machen wir tapfer weiter. Es gibt aber auch in dieser gewaltig großen Flussmündung jede Menge zum Gucken. Seevögel, die sich im Sturzflug aus großer Höhe in die Wellen stürzen. Es sieht so aus, als ob sie sich in einer Formation über den Fischschwärmen zusammenfinden. Richtig niedlich sind die Papageientaucher mit ihren roten Schnäbeln und roten Füßchen. Sie heben nicht richtig vom Wasser ab, sondern watscheln zuerst einmal ellenlang über die Oberfläche. Dann sieht man besonders gut ihre roten Füßchen. Zwei Inseln im Firth of Forth passieren wir. Auf beiden sind mit dem Fernglas die Leuchttürme und Gebäude gut zu erkennen. Ein Feuerschiff, das gleichzeitig auch Funkmast und Mittelfahrwassermarkierung ist, liegt sehr mächtig natürlich mitten auf einem unserer Kreuzschläge. Am Ende der anstrengenden Kreuzerei bergen wir im inzwischen etwas ruhigeren Wasser unsere Segel. Die Hafeneinfahrt von Granton ist gut markiert. Auch der Gaststeiger östlich der Mittelmole ist leicht zu finden. Granton Marina - am Schwimmponton, an dem es keinen Strom (wir haben ja unsere Efoy) gibt, finden sich einige freie Plätze. Ein idealer Ausgangspunkt für den Besuch von Edinburgh. Am Ausgangstor erhält man per Telefon den Code des Hafentores. Leider gibt es keine Möglichkeit zu duschen, wenn das Clubhaus nicht besetzt ist. Am ersten Abend trafen wir richtig gastfreundliche und kommunikative Clubmitglieder in der Gastronomie an. Sie erzählten uns auch, wie wir am besten in die Stadt kämen. Direkt an der Hauptstraße fährt der Bus ins Zentrum von Edinburgh ab. Eine geniale Stadt.

 

Tag 8: Hafentag Edinburgh

Morgens laufen wir zu Fuß zum nah gelegenen Einkaufszentrum, um frische Lebensmittel zu bunkern. Danach nehmen wir einen Bus, der uns zur ersten Station des Hopp-on-hopp-off bringt. Wir lassen uns vom berühmten Schiff Britannia in die Altstadt, an den Fuß des Castles und in die Einkaufsstraßen kutschieren. Zwischendurch schlendern wir den einen oder anderen Kilometer durch die Straßen. In der Rose Street essen wir traditionell Fish and Chips. Ein unbeschreibliches Flair – bunte Geschäfte mit den unmöglichsten Dingen in den Auslagen, altehrwürdige Kirchen, Adelshäuser, Schlossruinen. Wir schauen uns St. Giles und St. Pauls an und lassen uns von der Architektur beeindrucken. Auf dem Weg zurück zu unserem Schiff machen wir im Mini-Hafen vor Granton, den ein weißer kleiner Leuchtturm bewacht, eine Abendpause. Neben dem geschäftigen Treiben bietet Edinburgh auch viele ruhige, beschauliche Ecken.

 

Tag 9: Edinburgh ­ – auf See 55°59,105´N 002°09,461 W  41 nm

Von Edinburgh nach Blyth – eigentlich im Dauerregen und natürlich mit den obligatorischen Flautenstücken. Nichts desto trotz eine absolut spannende, anspruchsvolle Passage. Wo beginnen? Beim Bass Rock mit seinen Abertausenden von Bass Tölpeln. Von Ferne sieht es aus, als ob der Felsen weiß gesprenkelt wäre. Erst wenn man näher kommt, sieht man die Vogelkononie. Ein Nest direkt neben dem anderen. Vor den Felsen wird fleißig gefischt. Wie bereits gesehen stürzen sich die Vögel mit enormer Geschwindigkeit ins Wasser. Nur sind es diesmal ganze Batterien, die in Formation eintauchen. Dann wird es zunächst einige Stunden ruhig und wir gehen auf Kurs zu den Farne Islands. Einzig eine hohe und große schwimmende Bohrplattform oder etwas in der Art folgt, wie wir auf dem Plotter beobachten können, unserem Weg. Sie wird von Schleppern gezogen und von Begleitschiffen eskortiert. Ein Tross von insgesamt 700 Meters. Er kommt uns nicht in den Weg, da er im Osten um die Farne Islands fährt. Wir haben die Durchfahrt zwischen Küste und Inner Farnes angepeilt. Da der Strom zwischen Küste und Inner Farnes äußerst stark setzt, ist es wichtig gewesen, dass wir ein, zwei Stunden vor dem Kentern des Stromes dort ankommen.

 

Tag 10: auf See 55°59,105´N 002°09,461 W – Blyth 66,4 nm

Wie geplant erreichen wir den ersten Wegepunkt für die Passage im Morgengrauen. In der Dunkelheit ist dieser Weg nicht zu empfehlen, da man haarscharf an den Felsen der Inseln vorbeifährt. Schon von Ferne sehen wir die Ruinen auf Holy Island. Sie sind mit einem weißen Zelt abgeplant, wahrscheinlich zu Restaurationsarbeite. Von der Steuerbordseite wandert er Blick nach Backbord, wo im Wasser vor den Felseninseln ganze Teppiche von Vögeln schwimmen – Papageientaucher, Tölpel und Lummen. Und noch jemand streckt vorwitzige schwarze Nasen aus dem Wasser: die Robben, die alle paar Minuten von hinten oder seitlich der Asgaard auftauchen. Backbord voraus dann plötzlich in der Mitte treibender Vögel eine große schwarze Rückenflosse. Im klassischen Bogen eines Wales taucht sie auf und ab. Beim zweiten Auftauchen dann ein laut hörbares Prusten. Die Größe des Tieres ist schwer abzuschätzen, fünf Meter sind es aber bestimmt. Eine Flunke sehen wir nicht. Zum Greifen nah der Leuchtturm der Inner Farnes. Hier können wir neben dem Vogelkreischen auch seltsames Heulen oder fast bellen hören. Die Robben? Südlich der Inseln kentert der Strom und Vögel wie Fischer stehen bzw. treiben auf einer Linie zur Fischjagd parat. Für uns beginnt ein langer sehr windloser und sehr nasser Abschnitt. Wir lassen um die Mittagszeit für zwei Stunden den Motor laufen und können erst ab 13 Uhr wieder im Butterfly Richtung Blyth segeln. Blyth Marina – vor dem Einlaufen in den Hafen funken wir auf Kanal 12 die Port Control an und fragen nach einer Einfahrtgenehmigung. Es geht ein Stück in die Flussmündung hinein und dann in ein großes Hafenbecken, das an der Backbordseite liegt. In der nordöstlichen Ecke sich die die Stege der Marina The Royal North Thunderland Yachtclub. Am Gaststeiger direkt vor Kopf waren alle Plätze frei. Bevor  wir  dort  festmachen staunen wir über ein mächtiges Arbeitsschiff, ein Tonnenleger mit Namen Ozean Work,  an dem wie ganz nah vorbeifahren. Von unserem Liegeplatz aus haben wir einen tollen Blick darauf. Vor allem, als er nachts hell beleuchtet ist, sieht er beeindruckend aus. Ein netter älterer Brite erzählt uns, dass das Clubschiff, ein altes Feuerschiff aus Holz, um 19 Uhr geöffnet ist. Die HI Tyne III, früher Leuchtschiff LV 50 der Trinity House, lag auch schon mal an den Scilly Islands und später bei Weymouth und Southhampton. Dieses Holzschiff alleine ist den Hafenbesuch wert. Eine urgemütliche Bar im Bug, die verspielten Toiletten und die besonderen Duschen  nicht mehr als sehenswert. Sie sind erlebenswert.

 

Tag 11: Blyth – Hartlepool 31,1 nm 

Ein für unsere Verhältnisse kurzer Trip von 31 Seemeilen ging direkt entlang der malerischen Küste. Im Gegensatz zum Vortag konnten wir richtig gut die Städte, Burgruinen und Leuchttürme sehen. Die Sonne zeigte sich zwar immer noch nicht so richtig, aber es blieb durchweg trocken und wurde auch wärmer. Mit 3-4 Bft. kamen wir bei achterlichen Winden gut voran. Genau zur richtigen Zeit – die Schleuse zum Hafen ist von 2 Std. vor Hochwasser bis 2 Stunden nach Hochwasser geöffnet – erreichten wir die Einfahrt. Beim Anfunken sagte der Schleusen- und Hafenmeister, dass das Tor offen stünde. Wir fuhren also sofort ein und machten an einem Schwimmsteiger backbord in der Schleuse fest. Normalerweise weist der Hafenmeister einen Platz zu, aber er sagte uns nur, dass wir weiter nach hinten durchfahren sollten. Daher konnten wir uns selbst einen richtig schönen Liegeplatz an einem Kopfsteiger suchen. Der Blick von dort ging genau in einen Museums-Hafen mit historischem Kai und einem uralten Dreimaster.

 

Tag 12: Hartlepool – Scarborough 45 nm 

Sightseeing-Tour entlang der Englischen Ostküste von Hartlepool bis Scarborough. Die Mündung des River Tee ist komplett mit Industrieanlagen zugebaut und bietet keinen schönen Anblick. Doch gleich danach beginnt ein Stück Steilküste mit Kliffs, Kaps und dazwischen verstreut Dörfer, alte Burgen und natürlich wieder unsere Lieblingsobjekte, die Leuchttürme. Auf dem Wasser ist kaum etwas los. Vereinzelte Fischer oder Frachtschiffe, die auf ihren Kursen etwas weiter von der Küste entfernt fahren. Viel häufiger erscheinen Möwenschwärme, die über Fischschwärmen kreisen, in unserem Blickfeld. Es scheint also doch noch ausreichend Fisch in diesem Teil der Nordsee zu geben. Der Frachtschiffverkehr scheint in einer Krise zu sein. In Scarborough kommen wir mit ausreichend Wasser unter dem Kiel an. Der Hafenmeister bestätigt dies am Funk und bittet uns, in den inneren Hafen zu kommen. So lassen wir eine Mole und den Leuchtturm an Steuerbord und machen am Visitorspontoon fest. Marina Scarborough – ein superfreundlicher Hafenmeister kommt zu unserem Liegeplatz und erklärt uns alles. Der Yachtclub ist im Leuchtturm untergebracht und sehr stilvoll. Wir besuchen ihn am Abend, trinken mit den Locals ein Bier und erzählen übers Segeln und über die Geschichte des Ortes. Scarborough hat was. An der Seefront zwar total auf Nic-Nac Tourismus Schnick-Schnack eingestellt, den Berg hoch in der Stadt dann aber ruhiger und ursprünglicher. Ein ehrwürdiges Grand-Hotel aus hellroten Sandsteinen gebaut thront über der Bucht. Es ist totalüberaltert und scheint im hinteren Teil eher von Möwen bewohnt, aber nach vorne heraus ist es wohl noch so gut erhalten, dass es genutzt wird.

 

Tag 13: Hafentag Scarborough

Wir legen einen Hafentag ein, denn wir möchten danach wieder einen großen Schlag mit Nachtfahrt machen. Zum Einkaufen sind es nur wenige Meter, daher steht das morgens als erstes auf dem Programm. Auch Wasser wird aufgefüllt. Am Nachmittag erkunden wir das Castle und die Befestigungsanlagen auf dem Berg und wandern in die Nachbarbucht. Abends besichtigen wir die alte Kirche und machen Station im Leeds Arms, einer Seemannskneipe mit leckerem Kellerbier.

 

Tag 14: Scarborough – auf See 53°35,216´N 000°43,078 E  57,2 nm 

In den zwei Tagen und einer Nacht waren wieder so ziemlich alle Wind-, Wetter- und Strömungslagen im Angebot. Mit Schwachwind und Strom gegen an wurde unsere Geduld auf die Probe gestellt, mit Starkwind im Rücken und Strom mitlaufend war eher unsere Kondition gefragt. An den Kaps drehten die Winde spürbar und auch die Strömungen veränderten ihre generelle Richtung. Wir stellten unsere Segel immer bestmöglich nach und hielten unseren Kurs entlang der gesetzten Wegepunkte. Die inzwischen gewohnte Flaute war diesmal weit weniger lang. Wir saßen sie unter Segel ab und kamen recht schnell wieder in Fahrt. Die Nacht hindurch segelten wir bei moderatem Wind, wenig Welle und achterlichen Kursen durch die weite Bucht des River Wash. Zwischen Gasförderplattformen und Windparks, die in allen Farben blinkten, zogen wir unseren Weg. An den Plattformen gibt es neben den Lichtern noch trötende Tonsignale. Ob diese dazu da sind, Vögel zu vertreiben?

 

Tag 15: auf See 53°35,216´N 000°43,078 E  57,2 ­– Lowestoft  87,8 nm

Am Vormittag flitzen wir bei 4-5 Bft. und einem recht kräftigen Strom Richtung Lowestoft. An dieser Stelle der Küste, also vor Great Yarmouth und Lowestoft, liegen mehrere Sandbänke, die in einzelnen Bereichen für unseren Tiefgang ein Problem darstellen könnten. Wir manövrieren mit Karte und Plotter so weit durch, dass wir das Ansteuerungs-Sektoren-Feuer der Hafeneinfahrt Lowestoft im Auge haben. Wie im Lehrbuch können wir im weißen Sektor bleiben. Der Kurs lässt sich sehr gut hoch am Wind halten. Schnell segeln wir genau zwischen den Untiefen hindurch. Als der Wind am Ende zu sehr von vorne kommt, bergen wir die Segel und motoren das letzte Stück zur Hafeneinfahrt. Inzwischen ist auch der Strom gekentert und setzt mit 2 Knoten gegen uns. Also schnell die Port-Control angefunkt und herein in den Norfolk und Soufolk Yachthafen. Die Marina – der Gaststeiger ist nicht allzu groß, aber man kann auch gut zu zweit im Päckchen liegen. Der Yachtclub ist in einem ansehnlichen Gebäude untergebracht, dass auch ein Hotel ist – very British. Gepflegte Sanitäranlagen und unser Lieblings-Supermarkt ASDA in fußläufiger Nähe runden den guten Eindruck vom Hafen ab.

 

Tag 16: Lowestoft Sulfolk Yacht Harbour 47,2 nm 

Unter der Küste entlang führt unser Weg uns Richtung Harwich. Wind und Strömung absolut auf unserer Seite. Mit Kursen hoch am Wind machen wir durchgängig hohen Speed. Am Kap Orford Ness erhöht sich die Windgeschwindigkeit kurzzeitig. Hier kabbelt die See auch spürbar mehr als zuvor. Für die Ansteuerung Harwich haben wir die für Yachten vorgesehene Stelle der Überquerung des „Harwich Channel“ geplant. Wir erreichen sie etwas nördlicher und queren so recht nah am Hafeneingang. Es ist aber weit und breit kein Schiff zusehen und auf dem Portkanal 71 wird auch nichts vermeldet. Entlang der roten Betonnung segeln wir bis in den Hafen. Für ca. 15 Minuten starten wir den Motor, um bis zur Shotley Spit, zu fahren, von wo der River Orwell abzweigt. Eine dicke Regenwand haben wir zwar nicht abbekommen, aber ihre Ausläufer bringen einige Tropfen mit. Der Hafen Harwich ist eindrucksvoll, weil man ziemlich eng an den Piers der großen Containerschiffe vorbeikommt. China Shipping und Maersk liegen aber fest vertäut und werden gerade beladen. So setzen wir wieder Segel und gleiten gemütlich in den River Orwell ein. Nach vorne geschaut eine hüglige grüne Naturlandschaft, umgedreht ein geschäftiger Container-Terminal. Wir steuern den Suffolk Yacht Habour an, den wir nach ca. 2 Seemeilen auf Steuerbord liegen sehen. Die Marina – ein großer Hafen mit ca. 500 Liegeplätzen. Man spürt dies aber in dem absolut ruhigen naturnahen Hafenbereich nicht. Es ist interessant, den Fluss mit rund 3,5 Metern Gezeit zu sehen. Die Ufer fallen vollständig trocken. Die Marina besitzt sehr ansehnliche, neue Sanitäranlagen. Ein altes Feuerschiff ist das Clubhaus des Yachtclubs. Leider sind wir nach Pizza an Bord und Schiffklarmachen mit Wasser bunkern etc. schon recht müde und es ist dann auch schon 22 Uhr nach Englischer Zeit. Am nächsten Morgen wollen wir zudem sehr früh heraus. Das Thames Estuary will überquert werden.

 

Tag 17: Sulfolk Yacht Harbour – Ramsgate 63,1 nm

Im Harwich Port ist jede Menge Action. Ein Koloss von Container-Frachter wird von Schleppern zum Entlade-Kai bugsiert. Aus dem River Stoure kommt die Stena Line, die wir vor unserem Bug ins Fahrwasser des Harwich Channel einfahren lassen. Mit ordentlichem Wind navigieren wir rund Cork Sands, lassen den Roughs Tower backbord querab liegen und steuern auf das Suck Inner Feuerschiff zu. Hier ist ein Drehkreuz für die Schiffe, die Richtung London wollen und daher ein reger Schiffsverkehr. Zwei gigantisch große Windparks müssen wir umfahren. Es ist interessant zu sehen, in welch großem Stil die alternative Energie hier genutzt wird. Noch eine Sandbank, die Kentish Knock, dann haben wir das Thames Estuary gequert und können Kurs auf den Wegepunkt Goodwin Knoll setzen. Hier beginnen die gefährlichen Goodwin Sands. Ein Kanal mit Betonnung führt daher ca. 4 Seemeilen durch die Untiefen. Direkt bei der Tonne Goodwin Knoll liegt eine Motoryacht, die sich kaum von der Stelle bewegt. Als wir uns nähern, hören wir zweimal auf Kanal 16 einen Ruf an Ramsgate Port. Wir dachten noch, dass es seltsam ist, auf 16 nach einem Hafen zu rufen. Dann kommt auch schon der Mayday an Dover Coastguard. Motoryacht Jean hatte einen Totalausfall der Maschine und war manövrierunfähig. Wir entscheiden schnell, herüberzufahren, da wir ja in Sichtweite des Schiffes waren. Dover Coastguard fragte Jean verschiedenste Dinge. Wir funken, dass wir in der Nähe sind, aber keine große Motorkraft besitzen und daher ein abschleppen kaum möglich wäre. Dover fragt, ob wir trotzdem so lange Assist leisten könnten, bis das Lifeboat aus Ramsgate einträfe. Nur mit Großsegel, fahren wir Kringel um das Motorboot. Der Skipper der Jean hatte inzwischen seinen Anker geworfen. Zweimal unterbricht Dover auf 16 Gespräche mit „Mayday Silence“. Als das Rettungsboot aus Ramsgate ausgelaufen ist und per Funkpeilung den genauen Standort der Jean ermittelt hat, fragt Dover Coastguard, ob sie das Mayday auflösen könnte. Jean stimmt zu. Dover bedankt sich freundlich bei der Asgaard für ihren Assist. Wir funken, dass wir den Weg Richtung Ramsgate fortsetzen werden. Bis wir in der Marina festlegen, ist es bereits dunkel. Zum Glück ist bis 22 Uhr englischer Zeit ein Marinaangestellter vor Ort und ebenfalls zum Glück hat Peters Fish and Chips Factory bis 23 Uhr geöffnet. Marina Ramsgate – die Marina wurde noch einmal erweitert und bietet jetzt sehr viele Gastliegeplätze mit ausreichend Tiefgang. Mitten im Zentrum von Ramsgate gelegen hat man alle Möglichkeiten der Versorgung. Der Ort selbst und die umliegenden kleinen Badeorte bieten einige Sehenswürdigkeiten und schöne Badebuchten.

 

Tag 18: Hafentag Ramsgate

Ein Hafentag, da der Wind mit bis zu 7 Bft. aus östlichen Richtungen, das heißt genau gegenan beim Herausfahren, angesagt war. Für den Nachmittag waren auch Regen und Gewitter angesagt. Wir schlafen also lange aus, kaufen Lebensmittel und Getränke ein und wandern dann durch den Ort. Eine Seemannskirche, das Maritime Museum, das alte Dampfschiff Cervia, typisch englische Straßenzüge mit schönen, stilvollen Häusern. Ein Drink auf der Terrasse des Royal Yachtclub darf natürlich nicht fehlen.

 

Tag 19: Ramsgate – Oostende 64, 8 nm 

Eine knackige Kanalüberquerung mit enormem Speed, aber auch eine recht ungemütliche Welle. Wir starten mit einem Strom, der aus Ramsgate herausschiebt. Selbst mit 1. Reff im Groß erreichen wir beim Surfen auf der Welle eine so große Geschwindigkeit, dass die Steuerfähigkeit schwierig wird. Daher binden wir ein Reff in den Vorsegel und später bei Windstärke 7 sogar noch ein 2. Reff ins Großsegel. Das war bei der hohen, kurzen Welle besonders schwierig. Da der schnelle Ritt über den Kanal doch recht anstrengend war, gehen wir Richtung Ostende. Der Außenhafen ist überfüllt und daher nehmen wir die Mercatorschleuse in den Binnenhafen. Oostende Hafen – Die Mercatorschleuse funkt man an und sie öffnet dann auch sehr schnell. In der Schleuse gibt der Hafenmeister einem einen Zettel mit Hafenplan und dem zugewiesenen Liegeplatz. Die Boxen an Schwimmstegen sind gut, die Sanitäranlagen auf einem Schwimmcontainer prima gepflegt und Oostende ist natürlich eine tolle Stadt. Eigentlich könnte man auch mehr Zeit dort verbringen.

 

Tag 20: Oostende  – Cadzand  21,8 nm

Am nächsten Morgen wird eingekauft und wir starten sehr früh nach Cadzand, um dort unsere Freunde Petra und Alfred zu treffen. Der Wetterbericht hatte ab 14 Uhr Starkwind bis zu 8 Bft. angesagt und da wollen wir schnell die 20 Seemeilen absegeln. Ein kurzer, schneller Trip von Oostende nach Cadzand. Unterwegs hören wir auf Kanal 16, dass ein Schiff ein Messinstrument verloren hat. Wir sind ein wenig von der Stelle entfernt, sehen aber später einen Hubschrauber, der wohl auf der Suche danach ist. Der Wind geht am Vormittag bereits schnell auf 6 Bft. und daher ist es gut, dass wir früh im Hafen sind. Wir hatten per Telefon eine Box reserviert und konnten dort an einem megagroßen Steg anlegen. Gut vertäut wartet die Asgaard auf den Starkwind und der kommt auch am Nachmittag mit Böen von 8 Bft. Wir verbringen mit Alfred und Petra einen gemütlichen Nachmittag und Abend. Strandbude, Spaziergang und Pizzeria. Abends an Bord schauen wir zusammen in unser umfangreiches Kartenwerk und zeigen unseren Freunden einen Teil der Reise. Die Supermarina Cadzand – alles neu, alles schicki-micki. Sehr große, breite Stege und Sanitäranlagen mit großen, hellen Kombi-Toiletten-Duschen.

 

Tag 21: Cadzand Wemeldinge 36,5 nm

Wir hatten abends auf Kanal 20 gehört, dass im Slijkgat mit Mindertiefen  gerechnet werden muss. Daher entschließen wir uns, den Weg durch die Westerschelde zu nehmen. Wir starten um 09.30 Uhr, setzen zügig das Großsegel und die Genua II und segeln Richtung Vlissingen. Beim Queren der Westerschelde vor Vlissingen hören wir den Blockkanal 14. Entlang des Fahrwassers Honte fahren wir bis zum AKW Borssele mit Abhören von Blockkanal 03. Am Fahrwasserrand kreuzen wir bis wir Südevering stb. querab haben. Bei weiterer Fahrt entlang des Fahrwassers schalten wir auf Kanal 65 Hansweert. Um 14.10 bergen wir die Segel vor der Einfahrt in den Kanal durch Südbeveland und schleusen dann in der ostschleuse in den Kanal. Danach fahren wir im Kanal und passieren die Flakebrug (Autobahn und Eisenbahn) und die Postbrug. Direkt am Ende des Kanals liegt auf der Backbordseite der Yachthafen Wemeldinge. Hier machen wir in einer zugewiesenen Box fest, nachdem wir zuvor den Hafenmeister angerufen hatten.

 

 Tag 22: Wemeldinge Dintelmond 25 nm

Recht früh morgens legen wir ab, setzen die Segel bereits im Hafenvorbecken und segeln durch das Brabantse Fahrwasser Richtung Krammersluis. Wir machen hier einen kurzen Abstecher zur Seehundbank. Es ist gerade Niedrigwasser und man kommt mit dem Schiff beinahe auf Armeslänge an die Seehunde heran. Wir sehen sie zum ersten Mal in diesem Jahr und sind überrascht, dass es noch viel mehr sind, als im Jahr davor. Es gibt Tiere in allen Schattierungen des Fells und es sind mehr als 100 Seehunde, die sich in der Sonne aalen. Im Hauptfahrwasser der Oosterschelde kommen wir schnell voran und bergen vor der Krammerschleuse die Segel. Schnell öffnet das Schleusentor und wir sind in Rekordzeit von 10 Minuten in unserem Heimatgewässer, dem Volkerak. Den durchqueren wir unter Vollzeug bei südwestlichen, moderaten Winden in kurzer Zeit. In der Dintel schleusen wir dann noch schnell durch die Manderssluis, um in unserer heimatbox im Yachtzentrum Dintelmond festzumachen.

Gesamt: 1063 nm Segel: 980,5 nm Motor: 82,5 nm

ASGAARD und Crew gewinnen das tradionelle Bokkerijdersrace

Am langen Himmerfahrtswochenende ging es nach Dover und von dort wieder zurück. Die Rheinische Post Krefeld berichtete exklusiv (klick hier).

 

 

ASGAARD und Crew gewinnen Silber beim Fahrtenwettbewerb der Kreuzerabteilung des DSV

Am Samstagabend fand im feierlichen Ambiente des Maritim Hotels Berlin die Ehrung für den Fahrtenwettbewerb der Kreuzer-Abteilung 2016 statt. Neben der Silber-Medaille gab es auch die Veröffentlichung des Törns im Jahrbuch für die Asgaard und Crew. Kompletter Reisebericht des prämierten Törns folgt hier:

 

Frühjahrstörn 30.04 - 09.05.2016 Niederlande, Belgien und England inklusive Bokkerijders-Race.

Riesenpötte im Hauptfahrwasser der Westerschelde

 

 

 

Muschelfarm in Yerseke

 

 

gerüstet für das Bokkerijders-Race

 

 

nach dem Start im Sonnenaufgang

 

 

Nautische Unterlagen: Törnführer: Reeds 2016, North France & Belgium Crusing Companion, Holland 1 • Kartenmaterial: Navionics Gold 28 XG, Niederländische Seekarten Kartenserie 1801, 1805 und 1807 • Imray C30 und C31 • Gezeiten: NL-Tides HP33D • NP233 Admiralty Tidal Stream Atlas Dover Strait

 

1.Tag Dintelmond - Roompot Marina (31,1 nm)

Nach gründlicher Vorbereitung und Beladung des Schiffes mit der nötigen Ausrüstung und Proviant für 10 Tage, waren wir zum Start für einen Törn mit Teilnahme an einer Regatta klar. Eine ausführliche Sicherheitseinweisung mit Kontrolle aller Rettungs-, Sicherheits- und Notsignalmittel führten wir am Morgen durch. Für den ersten Teil unserer Fahrt nutzten wir unser normales Dacron-Großsegel und die Genua II. Nach dem Ablegen um 08.50 Uhr und dem Passieren der Manderssluis um 09.10 Uhr spürten wir einen plötzlichen Ruck in der Schraube, der mit einem Leistungsabfall einherging. Da die Geschwindigkeit sich bald wieder einpendelte, maßen wir dem Vorfall zuserst keine weitere Bedeutung zu. Bei der Schleuseneinfahrt um 11.20 Uhr stellte sich die nötige Bremswirkung kaum ein und es gelang nur mühevoll, das Schiff zum Stehen zu bringen. Die Ausfahrt aus der Schleuse erfolgte mit minimaler Schraubenleistung. Nach einigem Hin- und Herschalten zwischen Vorwärts- und Rückwärtsgang erschien im Schraubenwasser eine recht große, weiße Plastiktüte. Wir hatten sie uns wohl schon nach der Manderssluis eingefangen und sie hatte sich die ganze Zeit über in der Schraube festgesetzt. Nachdem wir den Störfaktor los waren, konnten wir beruhigt die Segel für die weitere Fahrt Richtung Roompot Marina setzen. Mit dem ablaufenden Wasser und bei NNW-lichen Winden von Stärke 3-4 zog die Asgaard mit hoher Geschwindigkeit über die Oosterschelde. Nach einigen Segelschlägen vor der Zeelandbrug, öffnete diese um 13.44 Uhr und im Hauptfahrwasser flitzten wir zur Marina, wo wir um 15.10 am Längssteiger festmachten. Wie vor jeder Fahrt auf die Nordsee brachten wir am Abend die Strecktaue aus, verstauten alles stoß- und krängungssicher in den Schaps und legten die nötigen nautischen Unterlagen heraus.

2.Tag Roompot Marina - Blankenberge (34,4 nm)
Der Wetterbericht um 08.05 Uhr herausgegeben von der Niederländischen Küstenwache sagte für Vlissingen nördliche Winde von 2-4 Bft. abnehmend auf 1-3 variabel voraus. Um 09.20 Uhr verließen wir den Liegeplatz und setzten kurz nach der Hafenausfahrt die Genua II, um damit bis zur Roompot Schleuse zu segeln. Durch unser vorheriges Anfunken des Kanals VHF 18 war diese bereits geöffnet. Während des Schleusungsvorgangs tauschten wir das Vorsegel gegen den 48 m² Booster und stellten uns damit auf die bereits abnehmenden Windstärken ein. Nach Ausfahrt aus der Schleuse setzten wir umgehend die Segel und fuhren zum Fahrwasser Roompot. Dort gingen wir auf Kurs 260 Grad zum Wegepunkt nahe der Tonne Kaloo. Zur Auffrischung der terristischen Navigation führten wir eine Kreuzpeilung mit den Objekten LT Noorderhoofd 210 Grad und des Radarturm Roompot Schleuse 80 Grad durch. Die daraus resultierende Position in der Karte stimmte sehr genau mit unseren GPS-Koardinaten überein. Um 13.10 Uhr erreichten wir die Tonne Kaloo und fuhren auf einen Wegepunkt zur Ansteuerung Blankenberge mit 280 Grad zu. Der immer achterlicher einfallende Wind ließ uns den Bullenstander als Sicherung setzen. Da die Segel sich immer mehr bekalmten und die Geschwindigkeit auf diesem Kurs abnahm, bargen wir das Großsegel und fuhren allein mit dem Booster weiter. Gegen 18.20 Uhr wurde das Booster eingeholt, der Motor gestartet und die Einfahrt in den Hafenkanal angesteuert. Im Hafenkanal und im backbord gelegenen alten Hafenteil versperrten Baggerschiffe und Baggerschläuche den Weg. Wir schlängelten uns durch den Hindernisparcours und fanden nach einiger Suche im VVW Blankenberge in Box 536 einen ruhigen Platz für die Nacht.

3.Tag Blankenberge - Terneuzen (31,2 nm)
Unsere Planung, in die Westeschelde zu segeln, konnte nur umgesetzt werden, wenn wir die Gezeit frühestmöglich mitnutzen würden. Daher waren frühes Aufstehen und frühes Auslaufen angesagt. Dies musste allerdings davon abhängig gemacht werden, wieviel Wasser im Hafenkanal unter dem Kiel war. Nach der Berechnung und dem Mitloten beim Einlaufen, das ca. 2 Stunden vor Niedrigwasser stattfand, konnten wir nach einer Berechnung mit der 12er Regel ca. 1,25 Stunden nach Niedrigwasser mit dem nötigen Sicherheitslevel passieren. Vor dem Auslaufen um 05.50 Uhr machten wir das Boot unter beinahe winterlichen Bedingungen startklar. Das Deck war mit einer Eisschicht bedeckt, die zu besonders vorsichtigem Hantieren und Bewegen auf dem Vorschiff führte. Neben dieser Überraschung der Natur konnten wir noch eine weitere bei der Ausfahrt entdecken: eine Seerobbe hatte es sich direkt am Rand des Hafenkanals auf einem der Baggerschläuche bequem gemacht. Sie schaute neugierig und überhaupt nicht scheu in unsere Kamera. Mit tastender Schleichfahrt bewegten wir uns aus dem Hafen und setzten um 06.10 Uhr unser Großsegel und die Genua II. Der Wind war für SW 4-5, zunehmend 5-6 angesagt. Wie vorhergesehen, zog uns der starke Strom mit bis zu 4 Knoten Stärke in die Westerschelde. Zügig ging es vorbei an Breskens und mit bis zu 10 Knoten über Grund im Hauptfahrwasser nach Terneuzen. Während der Fahrt hörten wir die Blockkanäle Vlissingen VHF 14, Terneuzen VHF 3 auf Standby. In der fabelhaften Zeit von ca. 4,5 Stunden segelten wir 30 Seemeilen, bevor wir vor dem Hafen die Segel bargen. Mit viel Vorhalten und großer Motorkraft liefen wir in den Yachthafen, der in einem alten Fährhafen angelegt wurde, ein. Die freundliche, äußerst kommunikative Hafenmeisterin wies uns einen schönen Liegeplatz zu. Mit dem Heck zur Hafenausfahrt gelegen, konnten wir in den Nachmittags- und Abendstunden immer wieder die riesigen Containerschiffe Richtung Antwerpen in unmittelbarer Nähe vorbeiziehen sehen.

 

4.Tag Terneuzen - Yerseke (20,3 nm)
Um 10 Uhr legten wir ab und fuhren unter Maschine durch das kleine Fahrwasser Zuid Everingen um dann bei Erreichen des Fahrwassers Everingen die Segel zu setzen. Der Kurs  führte zur Einfahrt des Kanal durch Zuidbeveland bei Hansweert. Wieder hörten wir die Blockkanäle mit. Erst VHF 3 dann VHF 65, über den wir auch die Einfaht in den Kanal anmeldeten. Um 12.40 Uhr funkten wir die Schleuse bei Hansweert über VHF 22 an.
Schnell erfolgte die Einfahrt in eine der riesigen Schleusenkammmern. Nach der Ausfahrt mussten im Kanal für uns noch 2 Brücken geöffnet werden. Um 14.20 Uhr verließen wir den Kanal bei Wemeldinge und setzten die Genua mit Kurs auf Yerseke. Um 15.10 Uhr machten wir am Passantensteiger des Yachthafen Yerseke fest. Hier tauschten wir das Dacron-Grossegel gegen unser Kevlar-Groß. Die Dacron-Genua wurde unter Deck verstaut, weil wir am Folgetag auch mit der größeren Kevlar-Genua segeln wollten. Schließlich war ab Donnerstag Regatta angesagt. Spät am Nachmittag wanderten wir durch den Ort und erkundeten die sehenswerten Muschel- und Austernfarmen. Es hat den Anschein, als wäre hier die Zeit stehen geblieben, denn die Zucht und Verarbeitung erfolgt hier immer noch so, wie es bereits vor hundert Jahren war. Eine Austernschale für zu Hause eingepackt und dann noch ganz frischer Kibbeling und Leckerbeck aus der Fischbude am Hafen eingekauft. So lassen wir in der Abendsonne den Tag ruhig ausklingen.

5.Tag Yerseke - Colijnsplaat (14,6 nm)
Um 11 Uhr laufen wir mit dem Ziel Colijnsplaat aus. Hier wollen wir abends um 19 Uhr an der Regatta-Besprechnung für das Bokkerijders-Race teilnehmen. Bei 2-3 Bft dümpeln wir mit den Kevlarsegeln Richtung Zeelandbrug. Um 15.14 Uhr passieren wir die geöffnete Brücke und seglen mit Kurs auf Colijnsplaat. Um 16.15 Uhr machen wir am Kopfsteiger G fest. Treffpunkt für die Besprechung ist das gemütliche Clubrestaurant, wo auch ab 18 Uhr nach und nach die Teilnehmer eintreffen. Organisator Bob erläutert dann den 12 Bokkerijder-Teams den geplanten Verlauf der Regatta. Die vorhergesagten Windrichtungen ließen die Wahl des Zielhafens auf Dover fallen. Als Querung des Verkehrstrennungsgebietes war "Westhinder Junktion" vorgesehen. Nach Überfahren der Startlinie, die im Fahrwasser Roompot zwischen R11 und ORR lag, waren folgende Marken zu passieren: Botkil N an Backborg liegen lassen, Ruytingen SW an Steuerbord und die CS 4 an Backbord liegen lassen. Die erste Etappe der Wettfahrt ging bis zur Ruytingen SW, wo die Zeit gestoppt werden sollte. Dann begann die 2. Wettfahrt ab CS 4 bis zur Ziellinie, die die westliche Einfahrt in den Hafen Dover war. Die Unterbrechung war so gesetzt, dass die Teilnehmer zur Not den Motor zur ordnungsgemäßen Querung des VTG zur Hilfe nehmen konnten. Eine Verständigung sollte zum Start auf Kanal 77 erfolgen und danach sollten alle Regattasegler auf Kanal 16 Standby bleiben, um im Notfall darüber einen Gesprächskanal auszumachen. Gut instruiert knüpften wir erste Kontakte zur Multi-Kulti-Truppe und ließen uns den ein oder anderen Tipp der alten Bokkerijder-Hasen geben. Zurück an Bord gaben wir die vorgegebenen Tonnen als Wegepunkte in unseren Plotter ein. Da der Wecker auf 3 Uhr gestellt war, gingen wir recht früh in die Koje.

6.Tag Colijnsplaat - Dover • Bokkerijders-Race Tag 1 (108,3 nm)
Im Dunkeln liefen wir um 3.15 Uhr aus und fuhren unter Maschine in ruhiger Fahrt zur Roompotschleuse, wo für 5 Uhr der Treffpunkt zur Schleusung angesagt war. Da die Oosterschelde nicht durchgehend befeuert ist, war ein wachsames Auge auf unbefeuerte Tonnen angesagt. Ein kleines Frühstück mit erfrischendem Morgenkaffee gab es in der Wartepause an der Schleuse. Bis kurz nach 5 Uhr war die Schleuse mit den 12 Booten der Regatta gefüllt und wir hörten auf Kanal 77, dass die Startzeit für 05.45 Uhr festgesetzt war. Gleich im Schleusenvorbecken setzten wir die Segel. Als viertes Schiff passierten wir die Startlinie R11/ORR und segelten Kurs 260 Grad, mit schneller Fahrt vom mitlaufenden Strom unterstützt, bis zum Wegepunkt Botkil Nord. Diesen erreichten wir um 07.30 Uhr. Von dort aus setzten wir Kurs auf den Wegepunkt Tonne Ruytingen SW mit 140 Grad. Nachdem wir den Leuchtturm Westkapelle querab hatten, kenterte der Strom und  lief gegen uns. Gleichzeitig ging der Wind immer mehr zurück, auf Windstärke 2 und fiel immer achterlicher ein. Gegen 11 Uhr setzten wir den Bullenstander und tauschten die Genua gegen unser Booster. Einen nach dem anderen sahen wir unsere Bokkerijder-Mitfahrer die Maschine starten. Auch wir kamen teilweise mit nur 2 Knoten über Grund voran, ließen uns aber nicht von unserem Vorhaben, komplett durchzusegeln, abbringen. Mit dem belgischen Ort Niewport querab  setzte der Strom wieder mit, so dass wir in erneut zügiger Fahrt die Tonne Ruytingen SW ansteuern konnten. Gegen 19 Uhr tauschten wir den Booster wieder gegen die Kevlar-Genua, da der Wind erneut auf NE 4-5 aufbrieste. Von Ruytingen SW stand das Queren des VTG an. Wir hatten vom Kartenkurs her den Kurs 310 Grad für das genau vorgeschriebene Queren ermittelt und konnten dabei sogar segeln. Der Strom versetzte uns zusätzlich in Richtung Dover. Die Berufsschiffahrt war nicht allzu stark und wir passierten zwei Containerschiffe hinter ihrem Heck. An der Tonne CS 4, die wir an Backbord liegen lasssen mussten, gab es noch ein kleines Bugspitze an Bugspitze Rennen mit einem Regattateilnehmer. Die hatten allerdings die Stärke des Stroms nicht ganz richtig vorhergesehen und konnte die Tonne nicht mehr erreichen. Das Queren des VTG war noch bei Tageslicht erfolgt, die weitere Fahrt Richtung Dover war in der Dämmerung und später im Dunkeln. Zwei Seemeilen vor der westlichen Einfahrt funkten wir die Port-Control an. Leider kenterte zu diesem Zeitpunkt erneut der Strom und setzte in der letzten Stunde mit bis zu 4 Knoten gegen uns. Wir segelten mit teilweise nur 1,5 Knoten über Grund und der Hafen kam nur sehr langsam näher. Ein zweites Anfunken der Port-Control wurde von uns ca. 200 Meter vor der Einfahrt verlangt. Danach stellten die Mitarbeiter die Einfahrtsignale auf Grün und gaben damit ihr o.k. zur Einfahrt. Wir bargen schnell die Segel und fuhren weiter in Richtung der Marina. Hier funkten wir auf Kanal 80 die Marina Mitarbeiter an und uns wurde ein Platz im Granville Dok zugewiesen. Das Tor zum Hafen, das bei Niedrigwasser geschlossen wird, war offen, die Barre mit mehr als 3 Metern überspült. Sehr müde aber froh und glücklich über die tolle Fahrt, machten wir um 00.15 Uhr am Steiger E in Box 62 fest.

7.Tag Hafentag Dover • Bokkerijders-Race Tag 2
Tief und fest schliefen wir, bis die Sonne schon länger am Himmel stand und frühstückten ausgiebig, bevor wir die anderen Crews besuchten und dann zur Besichtigung von Dover aufbrachen. Der Hafen, der am Rand der beeindruckenden Kreidefelsen liegt, ist an sich schon eine Sehenswürdigkeit, vor allem der Teil, in dem die großen Fähren anlegen. Von dort aus wanderten wir ein Stück den Berg zum Dover Castle hinauf, beließen es aber bei einem Blick von unten, da die Zeit für eine Besichtigung zu kurz war. Dafür ließen wir uns im Stadtzentrum treiben, durchstreiften schön angelegte Parks und Gärten, tranken einen Kaffee am Dover Beach und schauten das historische Rathaus und die St. Marys Church an. Zum Abendessen waren wir mit den übrigen Teilnehmern in einem urigen Restaurant direkt am Hafen verabredet. Ein gutes Essen und ein entspannter Austausch von allen Geschichten der Kanalüberfahrten brachten viel Freude. In kleinerer Runde machten wir dann zu späterer Stunde noch einige der tollen Pubs unsicher und genossen einen wundervollen Life-Auftritt einer "Altrocker-Hardrock-Band".

8.Tag Dover - Blankenberge • Bokkerijders-Race Tag 3 (73,8 nm)
Die Abfahrt für den Tag war davon abhängig, wann das Gezeitentor zum Hafenbecken öffnete. Die Regattaleitung hatte Blankenberge als Ziel festgelegt. Da kaum Wind wehte, gab es keinen Start der Regatta und jeder konnte in Eigenregie fahren. Wir legten um 10.30 Uhr ab und funkten die Port-Control an. Sie wiesen uns zur Hafenausfahrt Ost und gaben dann um 10.45 Uhr ihre Freigabe für die Ausfahrt. Um 12 Uhr setzten wir mit dem leicht aufkommenden Wind die Segel bei SW Goodwin und kreuzten Richtung CS 4. Ab 12.50 Uhr querten wir das VTG mit Kurs 130 Grad am Kompass und verließen es ca. 12 Seemeilen später um 14.30 Uhr. Der mitlerweile auf 5 Bft. aufgefrischte SE Wind ließ uns hoch am Wind direkten Kurs auf den Wegepunkt Ansteuerung Blankenberge mit 70 Grad anlegen. Nach 6 Stunden mit Strom und ausreichendem Wind schlief dieser in Höhe von Oostende ein. Um 21.10 Uhr starteten wir die Maschine und fuhren weiter mit 70 Grad inzwischen gegen den Gezeitenstrom Richtung Zielhafen. Die geringe Geschwindigkeit führte dazu, dass wir erst gegen 00.30 die Einfahrt in den Hafenkanal erreichten.  Um 00.45 Uhr machten wir in einer bereits für uns reservierten Box fest. Einen netten Ausklang fand der Tag oder besser die Nacht bis 3 Uhr morgens bei Snacks und Bier an Bord der Delta Blues. Die Zeit bis zum Auslaufen um 8 Uhr früh war also auf ein Minimum beschränkt. 

9.Tag Blankenberge - Colijnsplaat • Bokkerijders-Race Tag 4 (39,3 nm)
Östliche bis südöstliche Winde von 3-5 Bft. sollten uns einen traumhaften Regattatag bescheren. Nach dem Auslaufen gab es um 08.10 Uhr vor der Hafenausfahrt einen fliegenden Start mit allen Schiffen. Die Asgaard war bei den anfänglichen 3 Windstärken in ihrem Element und setzte sich gleich in die Spitzengruppe. In rasanter Fahrt ging es auf die Tonne Botkil Nord zu. Die Untiefe Rassen umfuhren wir. Danach liefen wir mit 60 Grad entlang der Küste bis zum Fahrwasser Roompot. Hier kam richtiges Regattafeeling auf, als wir mit der Conspirito und der Bever im engen Fahrwasser bis zur Schleuse kreuzten. Den geringen Vorsprung konnten wir mit ins Schleusenvorbecken, wo wir die Segel bargen, retten. Um 14.30 Uhr schleusten wir in der Roompotschleuse, setzten danach erneut die Segel und kreuzten weiter nach Colijnsplaat. Um 16 Uhr machten wir in Box E 50 fest und freuten uns auf die Siegerehrung und das abendliche Barbeque im Clubhaus. Vor der mit Spannung erwarteten Verkündung der Ergebnisse gab es noch eine sehr schöne Auslosung von Preisen, bei der wir eine maritime Reisetasche und einen Gutschein eines Yachtladens gewannen. Dann konnten wir strahlen, denn wir waren mit einem 2. und einem 3. Platz insgesamt Dritter geworden. Bemerkenswert vor allem deshalb, weil wir mit der kleinen Crew gut mit den sehr ambitionierten, mit vier oder fünf Seglern besetzten Schiffen mithalten konnten. Als Newcomer erhielten wir Glückwünsche und viel Anerkennung von den belgischen, niederländischen und deutschen Bokkerijdern. Bis spät in die Nacht tauschten wir dann auf der Tin Lizzy Segelerlebnisse aus.

10.Tag Colijnsplaat - Dintelmond (28,6 nm)
Nach soviel Nordseesegeln war die letzte Etappe des Törn nur noch Routine, aber eine sehr schöne, denn Wind und Wetter spielten auch an diesem Tag bestens mit. Bei strahlendem Sonnenschein und knackigen 4-5 Bft., später auch 5-6 Bft. kreuzten wir ab 10.20 Uhr nach der Durchfahrt durch die Zeelandbrug die Oosterschelde herunter gegen den Strom. Mit voller Beseglung war die Asgaard gerade noch gut zu steuern und legte sich auf ihre maximale Krängung. Nach der Krammerschleuse banden wir ein Reff ins Groß und segelten den Volkerak bis zur Dintel entlang. Um 15.55 zurrten wir die Festmacher in unserer Heimatbox an und machten bis zum Abend ausgiebig Klarschiff.

Zum Schluß standen insgesamt 382,3 nautische Meilen auf der Logge.

 

 

westliche Hafeneinfahrt Dover

 

 

der Leuchturm von Dover

 

 

Die ASGAARD und Crew sind Preisträger des Fahrtenwettbewerbs 2015 der Kreuzer-Abteilung des Deutschen Seglerverbandes.

In Hamburg nahm die Crew am Samstagabend im feierlichen Ambiente des Museums für Völkerkunde eine Medaille entgegen. Die Laudatio lautete wie folgt: Gemeinsam mit Lebensgefährtin Kristiane Helmhold führte Thomas Saueressig (SKBUe), seine ASGAARD, eine Dehler Optima 101, in 10-tägigem "Up-and-down" von Dintelmond im niederländischen Maas-Schelde-Gebiet zur flämisch-französischen Nordseeküste bis Dünkirchen und mit 290 segelintensiven Meilen sicher zurück zum Heimatsteg.
Ein mit Sorgfalt vorbereiteter, sicherheitsbewusst umgesetzter sportlich-flotter Herbsttörn unter navigatorisch wie seemännisch recht anspruchsvollen Tidenverhältnissen. Die umfassend-informative Dokumentation belegt Reviererfahrung sowie kenntnisreichen Umgang mit den Optionen des Streckenwetters. Binnen wie buiten eine Reise, die einen sportlich soliden, guten Eindruck hinterlässt.
Gratulation! BRONZE in der Kategorie "Binnen-Küste"

hier folgt der komplette Reisebericht zum Törn:

 

 

Herbststörn 26.09 - 05.10.15 französische, belgische und niederländische Küste

Einfaht in die Roompomarina

 

 

Hafenkanal von Nieuwpoort

 

 

Nautische Unterlagen: Törnführer: Reeds 2015, North France & Belgium Crusing Companion, Holland 1 • Kartenmaterial: Navionics Gold 28 XG, Niederländische Seekarten Kartenserie 1801, 1805 und 1807 • Imray C30 • Gezeiten: NL-Tides HP33D

1.Tag Dintelmond - Roompot Marina (30,0 nm)
Endlich war es soweit, unser Segeltörn konnte beginnen. Am Vorabend hatten wir schon alles fachgerecht und krängungssicher verstaut. Nach der Sicherheitseinweisung starteten wir um 10:30 Uhr die Maschine. Nach dem Passieren der offen stehenden Manderssluis setzten wir das Großsegel und die Genua II . Der Kurs ging entlang des Fahrwassers zur Krammersluis. Nach 2 Meilen wechselten wir die Genua II gegen den 48 m² Booster. Zügig segelten wir mit nordöstlichen Winden zur Krammersluis, in der wir um 13 Uhr in die Oosterschelde schleusten. Gegen den Strom fuhren wir mit Groß und Booster bei achterlichem Wind weiter bis kurz vor die Zeelandbrug. Hier tauschten wir bei auffrischendem Wind wieder den Booster gegen die Genua. Die Zeelandbrug passierten wir bei der Öffnung um 16:12 Uhr mit kurzer Motorunterstützung. Weiter segelten wir im Fahrwasser Roompot zur Roompot Marina. Ca 2 Meilen vor der Marina umfuhren wir noch zwei Regattafelder mit Lasern und Optis großräumig. Die Crews der begleitenden Schlauchboote teilten uns mit, wie die Wettfahrtstrecken gelegt waren. Ein großer Teil der jungen Regattasegler flitzte in der Hafeneinfahrt rechts und links von unserem Schiff vorbei. Um 17:40 Uhr legten wir in der Box 368 an. Die letzten Vorbereitungen für das Nordseesegeln trafen wir am Abend. Strecktaue auf dem Deck anbringen, Rettungswesten kontrollieren und das Rettungs- und Bergesystem Seculift LWS25 in der Backskiste griffbereit positionieren, die Markierungslampe für Mann-über-Bord bei Nacht in ihrer Halterung befestigen und das Kartenmaterial auf dem Kartentisch platzieren.

 

2. Tag Roompot Marina - Nieuwpoort (53,0 nm)
Um 06:10 Uhr war Auslaufen angesagt um den mitlaufenden Strom zu nutzen und das Seegat der Oosterschelde zu verlassen. Unter Maschine fuhren wir in der Dunkelheit zur Roompotsluis. Nach Anfunken über VHF 18 öffnete die Schleuse ihre Tore. Nach dem Schleusen um 07:00 Uhr setzen wir im Sonnenaufgang die Segel. Sobald wir das Fahrwasser Onrust erreichten, steuerten wir auf den ersten Wegepunkt, die Fahrwassermitteltonne Kaloo. Von hier aus segelten wir mit 225 Grad auf den nächsten Wegepunkt, die Ansteuerung von Nieuwpoort. Der Weg führte zwischen der Nieuwpoort Bank und Stroombank hindurch. Der immer mehr zunehmende Nordostwind hatte bis 14 Uhr 5-6 Bft erreicht und ließ uns zügig voran kommen. Um 14:25 segelten wir in den Hafenkanal von Nieuwpoort. An der Gabelung zu den verschieden Yachthäfen bargen wir die Segel. Um 15 Uhr gingen wir längsseits an den Steiger der Watersportkring Luchtmacht, etwas später verlegten wie die Asgaard noch in Box A2. Ein ausgedehnter Spaziergang führte uns rund um den Hafen und ins angrenzende Naturschutzgebiet.

 

3.Tag Nieuwpoort - Dunkerque (19,0 nm)
Unser erster Weckruf an diesem Morgen um 4 Uhr diente nicht dem Ziel des Auslaufens, sondern einem besonderen astronomischen Phänomen. Die Mondfinsternis des Riesenmondes wollte beobachtet werden. Beinahe eine Stunde lang verfolgten wir gespannt mit Kamera und Fernglas die besonderen optischen Ereignisse am Firmament. Nach einem ausgiebigen Frühstück setzen wir, um 09:55 Uhr, sofort nach dem Ablegen die Segel, mit dem Ziel, die belgische Gastlandflagge gegen die Tricolore zu tauschen. Nach Verlassen des Hafenkanals brachten wir noch den Bullenstander aus und liefen mit 260 Grad auf den Wegepunkt, die erste grüne Tonne des Fahrwasser Trapegeer, zu. Von hier aus ging es mit 240 Grad auf die Tonne E11 weiter und auf die E9. Das Fahrwasser ist spärlich betonnt und führt zwischen den Bänken Broers Bank, Bank Smal und Bank Hills hindurch. Achtung, ab hier wechselt das Fahrwasser nach Dünkirchen die Betonnung, es gibt nur noch rote Tonnen, die man Steuerbord liegen lässt. Der östliche Wind legte immer mehr zu. Erst bargen wir die Genua II. Der Wind erreichte gegen 13 Uhr die Stärke 7. Das Boot fing an zu surfen und lief Gefahr, aus dem Ruder zu laufen, das Log zeigte bis zu 10 Knoten an. Wir bargen das Großsegel, setzten wieder die Genua und segelten die letzten drei Meilen bis zur Hafeneinfahrt. Zwischen den mächtigen Molenköpfen nahmen wir das Vorsegel herunter und motorten bis zum Yachthafen Port du Grand Large. Hier legten wir um 14:15 Uhr am Gaststeiger an. Durch das sehenswerte Stadtzentrum schlenderten wir am Nachmittag und ließen die Sehenswürdigkeiten wie den Tour du Leughenaer, die Eglise Saint-Éloi, den Belfried Saint Eloi, das Rathausgebäude und die Porte de la Marine. Am Mahnmal, das am Rand des Strandes errichtet wurde, erfuhren wir viel über die Schlacht von Dünkirchen, den Rückzug der britischen und französischen Truppen im Jahr 1940 und deren Evakuierung nach England, die Operation Dynamo.
Das Studieren der Seewetterberichte der verschiedenen Wetterdienste Meteo France (Frankreich), KMI (Belgien) und KNMI (Niederlande) ließ uns den Entschluss fassen nicht weiter Richtung Westen zu segeln. Der Wind sollte für die nächsten Tage weiter aus östlichen bis nordöstlichen Richtungen kommen und im Tagesverlauf immer von 5 Bft. auf 7 Bft zunehmen. Der Gezeitenstrom lief erst ab Mittag Richtung Osten. Kreuzen gegen den Strom ist mit Raumgewinn nach Luv kaum möglich. Also mussten wir schon teilweise die Konstellation Wind gegen Strom hinnehmen. Die Kunst für die nächsten Tage sollte es sein, jeweils bei schwachem Gegenstrom zu starten und im Hafen zu sein, bevor der Wind seine 7 Bft erreicht hat. Uns war auch klar, dass sich zwischen flämischen Bänken eine unangenehme See aufbauen würde.

4.Tag Dunkerque - Nieuwpoort (21,8 nm)
Um 11:35 Uhr liefen wir aus. Im Hafen setzten wir schon die Segel, das Groß im ersten Reff, als Vorsegel wählten wir die High-Aspect-Fock. Nachdem wir den Hafenkanal verlassen hatten, gingen wir auf Kreuzkurs und kreuzten durch die enge, lange Ansteuerung von Dünkirchen Richtung Nieuwpoort. Um 13:20 Uhr durchfuhren wir den ersten Teil des Trapegeers. Der Wind hatte inzwischen auf 6 Bft. zugenommen und zwischen den Bänken stand eine kurze, 1,5 Meter hohe, kreuz und quer rollende Welle, die permanent das Vorschiff und das Laufdeck überrollte. Das Segeln hatte etwas vom Schleudergang in der Waschmaschine. Nach Verlassen des Trapegeers kreuzten wir weiter Richtung Niewpoort. Das Anemometer zeigte inzwischen 6-7 Bft. Mit dem Motor auf Stand-By segelten wir in die Hafeneinfahrt und weiter im Hafenkanal. Kurz vor unserem bekannten Yachthafen des WSKLUM fielen die Segel und wir machten um 14:25 Uhr in der altbekannten Box A2 fest.

Im Schleudergang über die flämischen Bänke

 

5.Tag Nieuwpoort – Oostende (17,3 nm)
Gegen 11:25 setzten wir die Segel, direkt neben unserem Liegeplatz. Es schien so, als sollten wir weit nach draußen laufen müssen. Für das Gebiet Lombardsijde waren seewärtige Schießübungen angekündigt, doch als wir im Hafenkanal die Stelle passierten, wo das Warnschild steht, wurde es gerade weggeklappt. Ein kurzer Zuruf an den Uniformierten, „Is it ok to sail the direct way to Oostende” wurde bestätigt “yes, we have finished the target practice”. So gingen wir direkt auf Kreuzkurs. Der Wind nahm wie tags zuvor immer mehr zu. Wir kreuzten zwischen den Bänken Nieuwpoortbank, Balandbank und Stroombank hindurch und vermieden bei Wind gegen Strom die flachen Passagen. Bei Bft 6-7 liefen wir in Oostende ein. In der Mercatorsluis wurde uns während des Schleusens ein Liegeplatz zugewiesen. Nach dem Schleusen passierten wir noch zwei Brücken und machten um 15:15 Uhr in der Box B31 fest. Der Mercatorhafen liegt mitten in der Stadt und hat dadurch ein besonderes Flair. Mit wenigen Schritten erreicht man die Fußgängerzone und ist nach kurzem Spaziergang durch die Stadt auch gleich an der Strandpromenade und an den Außenmolen, die man bis zu den Einfahrtsfeuern des Hafens begehen kann. Der abendliche Rundgang bot viele tolle Ausblicke maritimer Art auf Leuchtfeuer und die beleuchtete Betonnung der Schiffahrtsstraßen und kultureller Art auf die imposante gotische St. Petrus und Paulus Kirche und auf moderne, wunderbar illuminierte Skulpturen an der Strandpromenade.

6.Tag Oostende – Zeebrugge (23,2 nm)
Um 11:45 Uhr funkten wir die Mercatorsluis an, kurz danach legten wir ab und schleusten, nachdem wir zwei Brücken passiert hatten, um 12:05 Uhr. Zügig ging es 2,5 Meter nach unten. Wir verließen die Schleuse und wollten gerade das Großsegel setzen, als uns ein Polizeiboot, das steuerbord am Steiger lag, nachdrücklich bat, bei ihnen längsseits zu gehen. Nachdem wir Rede und Antwort über unsere Herkunft und Ziel gegeben hatten, wurden ausgiebig die Bootspapiere kontrolliert. Die Aktion dauerte gut 25 Minuten. Dann bekamen wir unser Papiere ohne Beanstandung zurück. Das Groß im 1ten Reff und die HA-Fock setzten wir um 12:40 Uhr. Dann kreuzten wir bei zunehmenden östlichen Winden Richtung Zeebrugge. Bei gut 6 Bft liefen wir, nachdem wir uns über VHF 71 bei der Portcontrol angemeldet hatten, Zeebrugge an. Vor der Hafeneinfahrt stand, bei 3,5 Knoten setzendem Querstrom gegen den starken Wind, eine 2,5 Meter hohe Welle. Die Asgaard surfte mit bis zu 12 Knoten Fahrt auf dem GPS die brechenden Wellen hinab. Die chaotische See ging noch bis gut bis 2 Kabellängen in das Hafenvorbecken, begünstigt durch Nehrströme. Danach nahmen wir die Segel runter und fuhren unter Maschine den vorgeschriebenen Weg durch die diversen Hafenbecken bis zum Yachthafen. Um 16:50 Uhr legten wir am Passantensteiger des Royal Belgian Sailing Club an.

7.Tag Zeebrugge – Stellendam (61,1 nm)
Um 06:35 Uhr nimmt der Diesel seine Arbeit auf, wir fahren in der Dunkelheit durch die diversen Hafenbecken. Ein großer Autofrachter kreuzt noch unseren Weg, danach setzen wir die Segel, Genua II (am Vorabend gegen die HA-Fock getauscht) und das Groß ohne Reff. Für heute sind moderate Wind (NE-E 3-4) und Seegangsverhältnisse angesagt. Beim Passieren der Hafeneinfahrt erscheint langsam das Morgenrot. Als erster Wegepunkt ist die Fahrwassermitteltonne Kaloo im Plotter eingegeben. Kurs 30 ° hoch am Wind. Der auf Nordost drehende Wind lässt uns ab 9 Uhr den direkten Kurs nicht mehr laufen. Wie fahren weiter hoch am Wind mit 10 – 20°. Gegen 14:15 Uhr erreichen wir die Reede an der Schouwenbank. Hier wenden wir und segeln mit 125 ° in Richtung Geul von Banjaard. Um 15:00 Uhr wenden wir erneut, der mittlerweile mitlaufende Strom und der leicht drehende Wind nach Ost lassen uns wieder 40° über Grund laufen. Es folgen noch zwei weitere Wenden, schließlich können wir den Kurs auf den Wegepunkt der Ansteuerung ins Slijkgat halten. Um 18:40 Uhr fahren wir ins Slijkgat ein. Im Verlauf der Gats kreuzen wir weiter Richtung Stellendam. Um 19:30 Uhr bergen wir in der Dämmerung die Segel. Das Risiko erscheint uns zu groß, in dem zum Teil unbefeuerten Gat die letzten drei Meilen zu kreuzen. Um 20:15 Uhr legen wir vor der Goereese Schleuse an. Über VHF 20 funken wir die Schleuse an, die uns mitteilt, dass von der anderen Seite gerade ein Berufsschiff einfährt und wir dann, um ca. 20:45 Uhr, schleusen können. 20:40 Uhr fahren wir in die Schleuse ein, 21 Uhr verlassen wir die Schleuse um schließlich um 21:15 Uhr, nach ca. 15 Stunden Fahrt, am Steiger A der Marina Stellendam festzumachen.

 

8.Tag Stellendam – Middelharnis (15,8 nm)
Eigentlich wollten wir über die Nordsee in die Osterschelde fahren. Um 10:50 Uhr schleusten wir in der Goereese Sluis. Laut Stromatlas sollten wir die ganze Zeit den Strom mit haben. Der Wetterbericht sagten nordöstliche Winde der Stärke 2-3 voraus, die ab Nachtmittag auf Südwest drehen sollten. Die ersten 2 Meilen kamen wir unter Segeln gut voran, danach ging der Wind zurück. Wir tauschten noch die Genua gegen den Booster, anfangs lief das Boot auch noch 4 Knoten, bis der Wind fast gänzlich einschlief. Wir entschlossen uns zurück zu fahren, denn auf über 30 Meilen motoren hatten wir keine Lust. Der Wind drehte erstaunlicher Weise langsam auf Nordwest mit der Stärke 1 – 1,5 Bft.. Wir segelten einen Teil zurück, schließlich nahmen wir die Segel runter und fuhren 1,5 Meilen zurück zur Schleuse. Nach dem Schleusen um 15:00 Uhr segelten wir mit Groß und Booster mit 2- 2,5 Knoten durch das Aardappelgat Richtung Middelharnis. Um 18 Uhr wurden vor der Hafeneinfahrt die Segel geborgen. Jetzt folgte die Fahrt durch den ca. 1,5 Meilen langen Hafenkanal unter Maschine. Der Hafen war erstaunlicherweise total überfüllt. An den zwei langen Gaststeigern lagen die Yachten schon im Dreierpäckchen. Wir fuhren weiter bis zum Ende in den kleinen Stadthafen. Hier erwischten wir eine frei Box. Abends gingen wir beim Italiener in Middelharnis essen. Besonders lecker war die Calzone frutti di mare, gefüllt mit Muscheln, Krabben, Hering und Aal. Abends saßen wir noch warm eingepackt im Cockpit und beobachteten das Treiben vor und in den diversen Restaurants und Kneipen.

9.Tag Middelharnis – Bruinisse (33,2 nm)
Skippers birthday – Wunsch des Geburtstagskinds, abends Muscheln essen zu gehen. Wo kann man dies besser als in Bruinisse. Um 10:50 Uhr legen wir ab. Nach der Fahrt im Hafenkanal wird die Genua II und das Groß gesetzt und fahren mit Kurs 135° zur Haringvlietbrug. Tiengemeten lassen wir dabei südlich liegen. Leider verpassen wir das Öffnen der ¬Brücke um wenige Minuten. Wir kreuzen ca. eine ¾ Stunden vor der Brücke. Kurz vor der Brückenöffnung um 14 Uhr bergen wir die Segel und fahren danach bis zur Volkeraksluis unter Maschine. Nach dem Schleusen um 14:45 Uhr setzen wir wieder die Segel und kreuzen im Volkerak bei südwestlichen Winden der Stärke 3 Richtung Krammersluis. Nach 16 Wenden können wir den direkten Kurs anlegen, erst mit 270° durch das Noordergat und dann mit 290° zur Krammersluis. Um 15:50 Uhr nehmen wir die Segel runter und können direkt in die steuerbord Schleusenkammer einlaufen. Die Schleuse verlassen wir um 18:20, nun kreuzen wir dem Sonnenuntergang entgegen zur Grevelingensluis. Hier schleusen wir um 19:30 Uhr ins Grevelinger Meer. Von hier aus fahren wir in der Dunkelheit zum Yachthafen Bruinisse, wo wir um 19:50 Uhr am Kopfsteiger H festmachen. Schnell noch das Boot fertig machen und dann ab ins Restaurant. Leider erwartet uns eine Überraschung. Sonntagabend ist nichts mehr los und wir erfahren im Rastaurant, dass die Küche schon geschlossen ist. Dann zurück an Bord, aus der Pantry gibt es frische Pfannekuchen, belegt mit Walnußsalami und Gorgonzola-Käse – echt lecker.

10. Tag. Bruinisse – Dintelmond (13 nm)
Um 10:45 Uhr beginnt die letzte Etappe zum Heimathafen. Um 11:05 schleusen wir bereits in der Grevelingensluis. Nach der Ausfahrt geht es nur mit der Genua II zur Krammersluis. Nach dem Bergen des Vorsegels legen wir um 12 Uhr am Wartesteiger an. Nach 10 Minuten öffnet die Schleuse. Nach dem Schleusen setze wir das Groß und die Genau II. Bei Südost Wind der Stärke 4-5 fahren wir zügig durch den Volkerak entlang der Reactietonnen. Ab 13:25 Uhr können wir mit 80° den direkten Kurs auf die Einfahrt Dintelsas absetzen. Die Segel werden um 14:00 Uhr geborgen und wir fahren durch die offen stehende Manderssluis. Kurz danach legen wir in der Heimatbox an.


287,4 nautische Meilen stehen auf der Logge

 

Hafenausfaht Zeebrugge

 

 

Den Sonnenuntergang achtern im Slijkgat

 

 

 

 Frühjahrstörn 2015 belgische, niederländische Küste und Delta-Gebiet

Asgaard im Mercatorhafen im Centrum von Oostende

 

 

Blick aus dem Naturschutzgebiet auf Nieuwpoort

 

Hagel an Deck nach Durchzug einer Gewitterfront

 

 

 

Unwetter über dem Krabbenkreek

 

 

Nautische Unterlagen: Törnführer: Reeds 2015, North France & Belgium Crusing Companion, Holland 1 • Kartenmaterial: Navionics Gold 28 XG, Niederländische Seekarten Kartenserie 1801, 1805 und 1807 • Gezeiten: NL-Tides HP33D

1.Tag  Dintelmond - Roompot Marina (29,9 nm) – Am ersten Reisetag segelten wir auf unseren heimatlichen Gewässern Volkerak und Oosterschelde zuerst mit weniger Wind, dann mit guten 4-5 Bft. zügig Richtung Roompot. An der Krammersluis spürte man bereits deutlich, dass das lange Wochenende von sehr vielen Seglern genutzt wurde. Es knubbelt sich bei den mittäglichen Schleusungen stark, obwohl eine neue technische Einrichtung die Schleusung in der nördlichen Schleusenkammer bedeutend schneller gemacht hat. Direkt nach der Einfahrt und vor der Ausfahrt wird als Schranke bzw. Sperre zwischen Süß- und Salzwasser ein Vorhang aus Luft eingeblasen. Dadurch entsteht in der Schleusenkammer teilweise ein „Sprudelbad“, in dem allerdings problemlos gefahren werden kann. Die Technik macht das sehr zeitaufwändige Austauschen von Salz- und Süßwasser, das Spülen der Schleuse, überflüssig. Die Zeelandbrug können wir mit unseren 14,80 m Masthöhe nur noch bei absolutem Niedrigwasser durchfahren, daher warten wir auf die Brückenöffnung, die allerdings diesmal beinahe direkt mit unserer Ankunft dort passiert. Nach der Durchfahrt binden wir gleich beim Segelsetzen das erste Reff ein und sind immens schnell in der Roompot Marina. Auch hier herrscht Hochbetrieb und an den Außensteigern liegen die Boote bereits in Päckchen. In unserer Box haben wir alle Ruhe und gehen recht früh in die Koje, da es am kommenden Morgen zeitig raus auf die Nordsee geht.
 

2.Tag  Roompot Marina - Oostende (44 nm) – Für die Fahrt auf der Nordsee sind wir wie immer gut gerüstet: Ölzeug, Rettungswesten, Sorgleinen für unsere Sicherheit, unter Deck alles fest, kippsicher und stoßfest verstaut. Snacks, kalte und warme Getränke sind griffbereit. Als Beseglung haben wir die Genua II ausgewählt, die bei der vorhergesagten Windstärke die passende Größe hat. Um 06.30 Uhr verlässt die Asgaard den Hafen. Nach dem Schleusen geht die Fahrt mit 265° durch das Fahrwasser Hompels auf einen Wegepunkt nah der Tonne Kallo. Ab hier geht es mit 225° auf die Ansteuerungkoardinaten von Oostende. Für den Tag sind wir mit Winden aus Nord-Nordost unterwegs. Die Windstärken von 4 Bft. bis zu Böen von 6 Bft. lassen die See bis zu 2 Meter Wellenhöhe anwachsen. Ein gleichmäßiges Wellenbild bildet sich zwischen den Bänken allerdings nicht aus, sondern es läuft recht kraus mit einzelnen Kreuzseen. An einer Stelle mit mehr als ausreichender Wassertiefe passieren wir die Wenduinbank. Recht ruppig geht es vor den Molenköpfen von Oostende zu, denn die Strömung setzt hier mit bis zu 3 Knoten quer zur Einfahrt und vor der Hafeneinfahrt bildet sich eine kurze, steile Welle. Mit zweimaligem Schiften der Segel steuern wir ins Hafenvorbecken und nehmen dort vor Wind und Welle geschützt die Genua herunter. Nach Anmeldung per Funk an der Mercator Schleuse wird uns gleich auch ein Platz im Mercator Hafen zugewiesen. Am späten Nachmittag schlendern wir gemütlich durch die Fußgängerzone, shoppen Wein, Käse und belgische Waffeln und sitzen noch lange, allerdings warm angezogen, draußen im Cockpit.

 

3. Tag  Oostende - Nieuwpoort (21,5 nm) – Die 21,5 Seemeilen, die wir von Oostende nach Nieuwpoort zurücklegen, haben es in sich. Die westlichen Winde machen das Kreuzen nötig und das ist bei Windstärken, die zu Beginn bei 6 Bft. lagen und später dann bei 5 Bft., zwischen den Sandbänken zu einer ruppigen Angelegenheit. Eine sehr chaotisch laufende Welle bis zu 1,5 Metern sorgte gerade nicht für eine ruhige Fahrt. Die Stroombank und die Nieuwpoortbank wollten wir bei der Windstärke nicht queren, sondern umfuhren sie, bzw. kreuzten zwischen den Bänken durch. Am Ende konnten wir den Kurs auf die weithin sichtbaren Molenköpfe anlegen. Wir genossen die Fahrt unter Segeln im langen Hafenkanal, bis wir kurz vor den sich aufteilenden Yachthäfen die Segel bergen konnten. Über UKW-Kanal 72 ließen wir uns einen Liegeplatz im Yachthafen WSK LuM (Watersportkring Luchtmacht) zuweisen. Am windgeschützten Platz grillten wir auf unserem Gasgrill im Cockpit und genossen die Ruhe des den Hafen umgebenden Naturschutzgebietes.

 

4. Tag  Nieuwpoort - Middelburg (48,8 nm) – Die Wettervorhersage der einzelnen Dienste – KNMI, Meteo France und Maritime Dienstverlening en Kust Belgien – für die kommenden Tage ließen uns unser Ziel, weiter nach Frankreich zu fahren, verwerfen. Ein Tiefdruckgebiet mit ausgeprägter Trogachse zog heran. Windstärken von bis zu 8 Bft., Gewitter, Hagelschauern und Böen bis 45 Knoten wurden vorausgesagt. Wir entschieden uns, den Schutz der Zeeländischen Gewässer zu suchen, um dort die Möglichkeit zu haben, weiter zu segeln und nicht mehrere Tage im Hafen verbringen zu müssen. Um 09.45 Uhr verließen wir Nieuwpoort und setzten zügig im Hafenkanal die Segel. Nach dem Umfahren der Stroom- und der Wenduinbank legten wir direkten Kurs Vlissingen an. Mit nachlassendem Wind wechselten wir Genua II gegen den Booster, der mit seinen 48 m² viel Vortrieb bringt. Mit wieder auffrischendem Wind tauschten wir kurz vor der Einfahrt in die Westerschelde erneut die Vorsegel. Ungefähr eine Seemeile vor der Einfahrt in den Fährhafen Vlissingen zur Seeschleuse, setzte der inzwischen gekenterte Strom der Westerschelde mit 2-3 Knoten gegen uns, so dass wir die Maschine zur Unterstützung dazu nahmen. Kaum hatten wir die Segel im Fährhafen geborgen, öffnete die Schleuse. Der Kanal durch Walcheren läßt sich im ersten Teilstück durch Bebauung, Baumbestand und diverse Brücken nicht besegeln. Wir passierten 5 Brücken nach deren Öffnung unter Maschine und legten um 20.05 Uhr direkt vor dem Hafenbüro in Middelburg an. Da der Hafenmeister nicht mehr anwesend war, blieben wir die Nacht über dort liegen. Ein abendlicher Spaziergang führte uns durch die schöne Altstadt von Middelburg. Die ehemals bedeutende Hafenstadt besaß früher einen offenen Zugang zur Nordsee. Später wurde ein Kanal von Middelburg nach Veere gebaut. Ein eindrucksvolles Bild, das wir im Internet in der Historie der Stadt entdeckten, zeigt den regen Schiffsverkehr auf dem Kanal.

 

5. Tag  Middelburg - Wolphaartsdijk (11,6 nm) – Nach eingehendem Studium der aktuellen Wetterberichte liefen wir morgens bereits um 08.20 Uhr aus, um dem ab Mittag aufziehendemUnwetter mit Starkregen aus dem Weg zu gehen. Noch im Hafen setzten wir die Genua II und segelten mit achterlichemWind das Kanalstück bis zur Schleuse Veere. Nach Anruf auf Kanal 18 schleusten wir in der historischen Schleuse und setzten unsere Fahrt auf dem Veerse Meer fort. Der auffrischende Wind, 6-7 Bft. auf unserem Windmesser, und die im Rücken aufziehende Wand der Nimbostratus Bewölkung, ließen uns den Hafen Wolphaartsdijk anlaufen. Mit dem Bug im Wind hatten wir am Gaststeiger festgemacht und verbrachten gut geschützt den Nachmittag unter Deck.

6. Tag  Wolphaartsdijk - Sint Annaland  (17.9 nm) – Auch an diesem Tag ließ der Wind nicht nach. Der Wetterbericht sprach sogar von Gewitterfronten, Hagelschauern und Böen von 40-45 Knoten. Um 11 Uhr legten wir in Wolphaartsdijk ab und setzten sofort nach der Hafenausfahrt unsere Genua II. Zur Zandkreekschleuse ist es nur ein kurzes Stück und wir ließen das Segel vor der Schleuse herunter. Ein Anlegen an einem Wartesteiger war kaum möglich, da der starke Wind direkt auf dem Steg stand. Es blieb also nur eine lange Wartezeit von einer halben Stunde unter Maschine. Der 6 bis 7-ner Wind blies in die nach Westen offene Schleuseneinfahrt und machte das Schleusenmanöver diesmal besonders schwierig. Durch das Zandkreek und die Oosterschelde ging die rasante Fahrt unter Vorsegel bis zur Zeelandbrug. Da inzwischen Windstärke 7 mit stärkeren Böen vorherrschte, öffnete die Brücke nur temporär und wir konnten sie nicht passieren. Das neu gesteckte Ziel war Sint Annaland. Nach weiteren  Seemeilen auf der Oosterschelde und dem Krabbenkreek erreichten wir den Hafen von Sint Annaland um 14.25Uhr. Am Nachmittag fegte eine Gewitterfront nach der anderen über unser Schiff. Hagelschauer ließen zentimerterdicke Schichten von Eiskörnern auf dem Deck und im Cockpit zurück. Die Wolkenformationen zeigten, dass die Atmosphäre sich immer noch nicht beruhigt hatte.

 

7. Tag  Sint Annaland - Stellendam  (40,6 nm) – Um 08.30 Uhr starteten wir die Maschine, setzten noch im Hafen die Segel und fuhren durch das Krabbenkreek in das Fahrwasser der Oosterschelde. Im Schleusenvorbecken der Krammersluis bargen wir die Segel und hatten gleich freie Durchfahrt in die Schleuse. Wir schleusten diesmal in der Spülschleuse, die Salz- und Süßwasser austauscht und eine dementsprechend lange Verweilzeit mit sich bringt. Durch den Volkerak pflügten wir mit gutem Speed und ließen die Einfahrt zu unserem Heimathafen nicht links, sondern an Steuerbord liegen.Die Volkerakschleuse öffnete sich ebenfalls sofort nach unserer Ankunft. Nach der Ausfahrt banden wir das erste Reff ins Großsegel und fuhren allein mit dem Großsegel zur Haringvlietbrug, da es noch beinahe eine halbe Stunde bis zur Öffnung dauerte. Mit dem Groß fuhren wir vor der Brücke auf und ab und warfen den Motor erst ganz kurz vor der Durchfahrt um 13 Uhr an. Weiter ging es auf einem Kreuzkurs durch das Haringvliet, vorbei an Tiengemeten, Middelharnis und Hellevoetsluis nach Stellendam. Mit 40,6 Seemeilen auf der Logge machten wir am Meldesteiger fest. Eine Box wies uns der Hafenmeister über Mobiltelefon zu, da er bereits im Feierabend weilte.

8. Tag  Stellendam - Zierikzee  (47,1 nm) – Die Nordsee rief uns mit guten Wind- und Wetterbedingungen und wir schleusten um 10.30 in der Goree’se Sluis ins Slijkgat, das wir Richtung offene See durchkreuzen. Da es stellenweise sehr eng betonnt ist, waren geschlagene 23 Wenden nötig, bis wir das Fahrwasser verlassen. Der neue Kurs wurde auf einen Wegepunkt zwischen den Tonnen des Geul von Banjaard gesetzt. Hoch am Wind segelten wir in den Geul. Später knickte der Kurs immer mehr Richtung Ost ab und wir fuhren Halbwind-Kurse. Von betonnten Geul von Banjaard ging es fließend in das Fahrwasser Oude-Roompot und später zur Roompot Sluis. Gemeinsam mit zwei Fischkuttern schleusten wir in die Oosterschelde und segelten mit dem letzten mitlaufenden Strom nach Zierikzee.  Am Kopfsteiger des Klubhafens WSV Zierikzee machten wir um 19.55 Uhr fest.

 

9. Tag  Zierikzee - St. Annaland (11,1 nm) – Ein ausgiebiger Bummel durch die historische Altstadt von Zierikzee und einige Einkäufe in den gut sortierten Geschäften ließ uns den Vormittag vertrödeln. Erst um 11.20 Uhr motorten wir durch den Hafenkanal bis zur Zeelandbrug, die wir bei der Brückenöffnung um 11.42 Uhr passierten. Bei schwachen südwestlichen Winden segelten wir Butterfly mit Großsegel und unserem Booster bis zum Krabbenkreek. Hier shifteten wir den Booster und segelten bis kurz vor St. Annaland, wo wir beide Segel bargen.

 

10. Tag  St. Annaland - Roompot Marina  (17,6 nm) – Wie gewohnt, waren wir zu Pfingsten mit Kristianes Bruder im Ferienpark De Banjaard zum Grillabend verabredet. Auf der kurzen Wegstrecke dorthin begleiteten uns Windstärken von 2 bis 5/6 Bft.. Im Hafen setzten wir Groß und Genua II, kreuzten durch das Krabbenkreek und düsten zügig Richtung Zeelandbrug. Wie bestellt öffnete die Brücke, so dass wir nur die Genua kurz herunter und danach wieder heraufziehen mussten. Der Motor wurde bei der Brückendurchfahrt natürlich ebenfalls sicherheitshalber laufen gelassen. Das letzte Stück über die Osterschelde flog die Asgaard bis zur Roompot Marina. Die 17,6 Seemeilen wurden in 2 Stunden und 10 Minunten bewältigt, was eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 8 Knoten ergibt. Der gemütliche Nachmittag und Abend im Minigarten des Ferienhauses war ein schöner Ausgleich zu den sportlichen Segelstunden, die wir zuvor verbracht hatten. Jede Menge Grillgut, Salat, Kräuterbutter und Kartoffeln sorgten für das leibliche wohl. Ein leckeres Grolsch und ein echt guter Kräuterbitter aus Zierikzee rundeten das Mahl ab. Natürlich dürften auch Vanillevla mit Schokostreuseln als Abschluss nicht fehlen. Noch lange erfreuten wir uns am Plauschen im Garten und wurden erst von der einsetzenden Kühle des Abends ins Haus getrieben.

 

11. Tag Roompot Marina - St. Annaland (die 3.) (17,8 nm) – Gegen 12.25 Uhr verließen wir den Hafen. Wieder wurde bei schwachem Wind auf den großen Booster und das Großsegel gesetzt. Ein zwischenzeitlicher Anruf, ließ uns von unserem Plan Abstand nehmen zum Heimathafen zurück zu laufen. Alfred und Petra waren mit Ihrer Inspiration (Feeling 326) in den Urlaub gestartet. Kurzer Hand verabredeten wir ein Treffen. Wo? ­­– natürlich in Sint Annaland. Wir segelten wiederholt zur Zeelandbrug, die wir dann aber doch nicht an der zu öffnenden Brücke durchfuhren, sondern an einer festen Durchfahrt. Das Niedrigwasser sorgte für eine Durchfahrtshöhe von 16,1 Metern und das ist mit Sicherheitsabstand gerechnet absolut in Ordnung. Dennoch war uns beim passieren der Brücke etwas mulmig. Nach der Brücke segelten wir wieder Butterfly und schließlich schifteten wir den Booster bei der Einfahrt ins Krabbenkreek. Wir konnten in Sint Annaland direkt in einer Box festmachen, da die Inspiration-Crew uns einen Platz reservierte und per SMS die Boxennummer India 10 mitteilte. Es gestaltete sich ein redseliger Abend, wo wir ein paar Tipps mitgaben, da Alfred und Petra auch Richtung Belgien fahren wollten.

 

12. Tag  St. Annaland - Dintelmond (16,0 nm) – Früh morgens um 7.25 Uhr schlichen wir uns aus dem Hafen. Wir starten so früh um dem Pfingstwochenend-Charter-Schleusen-Chaos zu umgehen. Durch den engen Krabbenkreek motorten wir, da das auflaufende Wasser und der Wind gegen uns waren. Danach wurde die Genua und das Groß gesetzt und die Yacht segelten zügig zur Krammersluis. Mit 4 anderen Yachten schleusten wir direkt nach Ankunft an der Schleuse in den Volkerak. Nach 25 Minuten Schleusenaufenthalt ging die Fahrtzurück in unseren Heimathafen. Um 11.05 Uhr machten die Asgaard der Heimatbox fest.

Wir passierten 8 zu öffnende Brücken, schleusten 12 mal und befuhren den Kanaal door Walcheren und hatten letztendlich 321,9 nautische Meilen mit einem reinen Segelanteil von 93% auf der Logge.

 

30° Krängung hoch am Wind im Geul von Banjaard

 

 

Zierikzee Museumshafen

 

 

Die ASGAARD und Crew sind Preisträger des Fahrtenwettbewerbs 2014 der Kreuzer-Abteilung des Deutschen Seglerverband.

In Berlin nahm die Crew am Samstagabend im feierlichen Ambiente des Maritim proArte Hotel eine Medaille  entgegen. Die Laudatio lautete wie folgt: „Sportlich“, die Rückverlegung der in Hamburg werftüberholten Dehler-Yacht ASGAARD in die Niederlande. Mit Lebensgefährtin Kristiane Helmhold führte Thomas Saueressig, Segelklub Bayer Uerdingen, seine Optima 101 über Unterelbe, Cuxhaven und bei geschickter Nutzung des günstigen Wetterfensters nonstop entlang der Ost- und Westfriesischen Inseln bis zum Eingang des Nordzeekanals nach Ijmuiden. Wieder nordwärts ging es buten zur Waddenzee, über Texel nach Harlingen und durch Ijsselmeer und Markerwaard schließlich nach Amsterdam. 395 segelfreudige Meilen in nur 9 Fahrtagen!

Logbuch wie Reisebericht vernitteln das Bild einer seesportlich flotten Herbstreise mit der die kleine Crew sicherheitsbewusst gute Seemannschaft und nautische Kompetenz unter Beweis stellt. Kluge Zeitteinteilung und Sinn für kulturtourisitsch Interessantes am Rande der Route ergänzen den fahrtensportlichen Erlebniswert in vorbildlicher Weise. – Deshalb SILBER in Kategorie See.

 

 

  Herbsttörn 2014 Hamburg Wedel - Dintelmond   14.09.2014 - 27.09.2014 

Glückstadt Außenhafen

 

 

 

Elbe bei Glückstadt

 

Sonnenuntergang auf der Nordsee

 

 

U-Boot bei Den Helder

Nautische Unterlagen: Törnführer: Holland 1 & 2, Nordseeküste Cuxhaven bis Den Helder und Elbe bis Sylt • Kartenmaterial: Navionics Gold 28 XG, Niederländische Seekarten - Kartenserie 1801, 1811 und 1812, BSH Sportbootkartenserie D 3014 und D 3015, Elbe-Atlas 2014-2015 • Gezeiten: NL-Tides HP33D, Gezeitenkalender Deutsche Bucht, Gezeitenstromatlas der küstennahe Gezeitenstrom in der Deutschen Bucht.

1.Tag  Hamburg Wedel - Glückstadt (17,4 nm) – Die Elbe kann nicht in einer Tide flußabwärts gefahren werden, da man dem Scheitel der Flut entgegen fährt und deshalb eine zu geringe Zeit den Strom mitlaufen hat. So führte unser erster Schlag uns nach Glückstadt. Der allzu vorliche Wind verhinderte dabei leider das Segeln. Mit Motorkraft erreichten wir nach rund drei Stunden den Hafen. In den ersten Stunden legten wir noch zweimal die Asgaard um, da einige Yachten im überfüllten Hafen warteten, um mit dem auflaufenden Wasser Richtung Hamburg zu fahren. Danach konnten wir uns den berühmten Matjes Spezialitäten widmen.

 

2.Tag  Glückstadt - Cuxhaven (29 nm) – Frühmorgens verließen wir bei kaum Wind den Hafen, motorten eine Stunde flußabwärts und setzten dann bei zunehmendem wind die Segel. Der nordöstliche Wind sorgte für Elbsegeln vom Feinsten. Das Ufer flog nur so vorbei und die großen Pötte, die uns entgegen kamen, sorgten für Kurzweil. Die recht starke Querströmung von ca. 4,5 Knoten vor der Hafeneinfahrt von Cuxhaven erfordert ein starkes Vorhalten, um die Einfahrt genau zu treffen. Aus der anderen Richtung kannten wir dies bereits und daher war es auch diesmal für den Skipper kein Problem. Im Lotsenviertel rüsteten wir die letzten Lebensmittel nach. Dann wurde alles für die Nordsee klargemacht. Strecktaue befestigt, die High-Aspect Fock zum Setzen klargemacht Ölzeug und Rettungswesten bereitgelegt, die Karten genauestens studiert und passend auf den Kartentisch gelegt. Die Wettervorhersage mit Wind aus nordöstlichen bis östlichen Richtungen war bestens, die Nachttemperaturen mild, Regen war auch nicht angesagt. Alles in allem optimale Voraussetzungen für einen großen Schlag über die Nordsee. Dass es am Ende über 200 Meilen wurden, hatten wir in Cuxhaven allerdings noch nicht geahnt.

 

3. und 4.Tag  Cuxhaven - Ijmuiden (204,8 nm) – Mit ablaufendem Wasser segelten wir, erstes Reff im Groß und die mittlere Fock gesetzt, flott aus der Elbmündung. Dem Fahrwasser folgend passierten wir Scharhörnriff. Dann setzten wir den Kurs auf die Tonne Weser 1a ab, so dass wir in ausreichender Entfernung vom Verkehrstrennungsgebiet bleiben würden. Nach ca. 40 Meilen und Querung des Wangerooger Fahrwasserers gaben wir die Ansteuerung Osterems als neuen Wegepunkt ein. Bei achterlichen Winden ging es zügig voran. Mit einbrechender Dunkelheit kamen unsere neuen LED Positionslaternen zum ersten Mal zum Einsatz. Gegen 21 Uhr setzten wir einen Kurs mit 245 Grad ab, der uns zwischen Windpark und Borkum Riff durchführte. Der folgende Wegepunkt führte uns zur Gefahrentonne Ostseite Terschelling. Auf dem Weg mussten wir einem Maschinenfahrzeug ausweichen, dessen Steuermann entweder die Vorfahrtsregeln ignorierte oder irgendwie geschlafen hatte. Unser AIS mit der Darstellung der Fahrzeuge auf dem Plotter erwies uns nicht nur in dieser Situation einen guten dienst. Später in der Nacht zeigte es in einem Umkreis von 4 Seemeilen insgesamt 14 (!) Fischer. Die Flotte fuhr kreuz und quer, mal schneller, mal langsamer und immer unvorhersehbar in den Kursen. Mit einigen kleinen Manövern schlengelten wir uns durch und kamen laut Anzeige nur einmal in den Bereich einer gefährlichen Annäherung. Die Segelnacht verlief somit entspannt und problemlos. Ein halber Mond beleuchtete ab Mitternacht ein wenig die 1 - 1,5 Meter hohen Wellen, zwischen einzelnen Wolken konnten wir immer wieder tolle Sternbilder sehen. Das bekannte floueroszierende Leuchten des Wassers faszinierte uns wie immer absolut. Gegen fünf Uhr gaben wir einen neuen Wegepunkt nördlich Terschelling ein, um von dort aus die Ansteuerungstonne des Seegats von Terschelling anzulaufen. Der Sonnenaufgang um 7.15 Uhr war diffus und die Sonne im umgebenden Dunst kaum sichtbar. Die Ansteuerungstonne des Seegats sollte laut Plotter um 9.30 Uhr erreicht sein, aber wir sahen soweit Auge und Fernglas reichten nichts. Weit und breit keine Tonne zu erkennen. Einem anderen Segler, dessen Positionslichter wir in der Nacht des öfteren an unserer Steuerbordseite gesehen hatten, ging es wohl ähnlich. Er näherte ich der Küste von Vlieland soweit wie möglich und drehte dann wieder ab, um in Richtung Texel zu fahren. Auch wir segelten noch ein Stück Richtung Strand, hielten aus den verschiedensten Blickwinkeln Ausschau nach Ansteuerungs- und Fahrwassertonnen und entschieden dann, weiterzufahren. Eine Fahrt im Blindflug allein mit dem Plotter, dessen Angaben scheint’s auch nicht richtig waren, wäre ein zu großes Risiko gewesen. Die Ansteuerung von Texel durch das Molengat oder das Schulpengat wären schwierig gewesen, da der Strom bis dahin wieder aus den Watten ablief und gegen uns gesetzt hätte. Also segelten wir weiter Richtung Ijmuiden. Dem schwächer werdenden Wind begegneten wir mit dem Ausreffen des Großsegels und mit einem Wechsel von der High-Aspect zur großen Genua 1. Der Hafen von Ijmuiden lässt sich zwar auch problemlos im dunkeln anlaufen, aber wir schafften es noch mit dem letzten Büchsenlicht. Neben der Änderung unserer Route wegen der schlechten Sicht waren es zusätzlich auch militärische Übungen, die uns ein wenig nervös machten. Über Seefunk gab es immer wieder ausdrückliche Warnung oder Sperrung von Seegebieten, die immer wieder aufgehoben wurden, bevor wir diese passierten. Schießübungen von Land aus und auch aus der Luft. Fregatten patroullierten rund um ein quadratisches Manövergebiet und ein dunkler kleiner Turm, der aus dem Wasser schaute, ließ uns auf ein U-Boot schließen. Dass es tatsächlich eins war, sahen wir am kommenden Tag, als es uns im Seegat von Texel mit Geleitschutz entgegenkam.

 

5.Tag  Ijmuiden - Texel (42,9 nm) – Nach intensivem Schlaf führte uns ein wunderschöner Spätsommertag nach Texel. Unter Vollzeug segeln wir mit Halbwind bis zur Ansteuerung Schulpengat. Hier kreuzten wir mit dem Strom bis zur Hafeneinfahrt Oudeschild auf Texel. Auf dem Weg begegnete uns dann das bereits erwähnte U-Boot (Bild) – echt spannend. Im Hafen zeigte unser Sea-Data-Instrument eine Wassertemperatur von 19°C. Dies wurde sofort mit einem kurzen Bad getestet.

 

6.Tag  Texel - Harlingen (27,4 nm) – Am Morgen besichtigten wir in Oudeschild eine alte Seemannskirche und gingen dann noch etwas einkaufen. Nach einem Telefonat mit der Crew der Oeding (X-46, Vereinsyacht des SKBUe, www.skbue.de) entschieden wir uns, mit der Flut nach Harlingen zu segeln, um uns dort zu treffen. In Cuxhaven hatten wir uns schon um Tampenbreite verpasst. Die ersten Meilen segelten wir recht zügig im Texelstroom, bis der Wind völlig einschlief. Nach einer Stunde Maschinenfahrt konnten wir den Weg wieder unter Segeln fortsetzen. Im Noorderhaven gingen wir längsseits an die Oeding. Es folgte ein geselliger Abend mit selbstgebackener Pizza und einigen Seemanns Andekdoten auf der X-46.
Wir beschließen, zusammen mit der Oeding am kommenden Nachmittag ins Ijsselmeer weiterzufahren.

 

7.Tag  Harlingen - Workum (16,7 nm) – Nach einem ausgiebigen Frühstück schlendern wir zusammen mit der Oeding-Crew durch Harlingen. Ein Häppchen Käse hier, eine Portion Kibbeling dort oder ein Glas von besonderem Wattpflanzen-Honig. Die Fußgängerzone mit zahlreichen Boutiqen erfreut besonders die Damen. Um 16:30 Uhr passieren wir die Klappbrücke vom Noorderhafen. Die Oeding schafft die Brücke zu diesem Zeitpunkt nicht, sie folgt uns 20 Minuten später. Zügig setzen wir nur das Großsegel, damit der Abstand nicht zu groß wird. An der total überfüllten Kornwederzandschleuse treffen wir uns wieder. Nach dem Schleusen segeln wir mit Kurs auf die Ansteuerungstonne Workum und Hindelopen, die wir in der Dämmerung erreichen. Hier werden die Segel geborgen.  Im Dunkeln fahren wir durch das Fahrwasser nach Workum. Bei den zahlreichen unbeleuchteten Tonnen, der nördlich gelegenen Untiefe und dem südlichen Steindam nicht ganz einfach. Um 20:15 Uhr nehmen wir zwei nebeneinander liegende Boxen im Yachthafen von Workum.

8.Tag  Workum - Enkhuizen (19,3 nm) – Am Vormittag gegen 10:50 Uhr verließen wir Workum. Das Fahrwasser zwischen dem Steindamm und der Untiefe kam uns deutlich enger vor als am Vorabend bei Dunkelheit. Mit der Genua III und dem ersten Reff im Groß flogen wir, bei nordwestlichen Winden von 5-6 Bft, beinahe über das Ijsselmeer. Die Yacht fing an zu surfen und zeigte nicht selten 9,5 Knoten auf dem GPS. Vibrationen und Pfeifen im Schiff zeigten uns, dass es bei noch mehr Wind Zeit gewesen wäre, die Segel nochmals zu verkleinern. Doch so erreichten wir in weniger als 2,5 Stunden Enkhuizen. Der Hafenmeister wies uns eine schöne Box nahe des Zuiderseemuseums zu. Die Oeding, die in Workum noch Besuch an Bord hatte, folgte uns später. Wir organsierten beim Hafenmeister direkt auch einen Liegeplatz für die über 14 Meter lange Yacht.

9.Tag  Enkhuizen (Hafentag) –  Einen Tag wollten wir noch mit der Oeding-Crew verbringen, bevor wir weiter Richtung Westen fuhren. Ein Besuch im Zuiderzeemuseum in Enkhuizen stand auf dem Plan. Das Museum mit maritimen Charme zeigt das Leben um die vorige Jahrhundertwende und ist überaus sehenswert. Allein die Vielfalt an historischen Schiffen im Aussen- und Innenmuseum lassen das Herz eines Seglers höher schlagen. Im Museum aßen wir noch einen frisch geräucherten Hering und zwischendurch "gebakken Mosselen" und "Kibbeling". Den dazugehörigen "Oude Genever" gab es erst abends.

 

10.Tag  Enkhuizen - Amsterdam (37,9 nm) – Der erste Weg führte uns zum Liegeplatz der Oeding, um uns zu verabschieden. Danach fuhren wir zur Schleuse Enkhuizen. Nach dem Schleusen im Naviduct setzten wir die Genua II und das Großsegel und kreuzten bei südwestlichen Winden durch das komplette Markermeer Richtung Amsterdam. Kurz vor der Brücke in Amsterdam nahmen wir die Segel runter und passierten diese zur Brückenöffnung um 15:40 Uhr. Danach schleusten wir in der Oranjesluis in den Noordzeekanaal. Die Fahrt ging unter Maschine mitten durch City zur neu eröffneten Amsterdam-Marina.

 

11.Tag  Amsterdam - Kaagdorp (20,4nm) – Ab 07:45 Uhr verrichtete der Diesel seine Arbeit. Wir fuhren im Noordzeekanaal Richtung Ijmuiden. Allerdings würden wir in die "staande Mastroute" Richtung Haarlem abbiegen. Die südwestlichen Winde und die widersprüchlichen Aussagen der Wetterdienste (KNMI SW 5-6, DWD SW 6-7 in Böen 8) für die südwestliche Nordsee ließen uns diesen Entschluß fassen. Nach dem Passieren der ersten Hebebrücke machten wir nach kurzer Fahrt am Wartesteiger für die Zijkanaalbrug C Rijksweg A9 fest. Die 2-stündige Wartezeit auf die Brückenöffnung verging recht schnell. Wir tranken Kaffee, lasen etwas und unterhielten uns mit einem englischen Ehepaar, das zwischenzeitlich mit ihre Yacht an unserer festmachte. Nach der Brückenöffnung um 12 Uhr schleusten wir in der Rijnland-Schleuse und passierten die 10 Klapp- und Hebebrücken von Haarlem. Zwischendurch legten wir am Havenkantoor an und zahlten am Automaten unsere Durchfahrtsgebühr (9,70 Euro für 10 Meter). Der nächste längere Stopp war vor der Autobahnbrücke Kaagbrug und der dazugehörigen Eisenbahnbrücke. Nach der Öffnung um 18:39 Uhr fuhren wir die kurzen Strecke zum Yachthafen Kaagdorp. Die englische Yacht folgte uns. Abends tranken wir am Bord der Asgaard noch ein Glas Rotwein zusammen.

12.Tag  Kaagdorp - Gouda (19,6 nm) – um 09:05 fuhren wir erst einmal zur Tankstelle und füllten den Tank. Die Tankstelle entpuppte sich auch als Yachtshop. Hier bekamen wir zum Schnäppchenpreis Imhoff-Jacken angeboten, die wir dann auch kauften. Die kurze Fahrt über das Brassermeer nutzten wir zum Segeln. Danach ging es unter Maschine weiter durch Alphen aan de Rijn und über Kanäle Richtung Gouda. Windmühlen zogen an uns vorbei, auch ein Pizzaboot mit Pizzaofen sahen wir. Alles schien gut in der Zeit und wir sollten die zweistündlich öffnende Eisenbahnbrücke überpünktlich zur Öffnung um 16:27 Uhr erreichen. Als wir die Brücke erreichten stand auf einer Digitalanzeige: Öffnung 20:27 Uhr. Fast 5 Stunden Zwangspause am Wartesteiger ohne die Möglichkeit das Land bzw. die Stadt Gouda zu erreichen. Nach der Brückenöffnung bogen wir zügig links ab, um uns im Stockdunkeln eine Liegeplatz beim W.V. Gouda zu suchen.

 

13.Tag  Gouda - Willemstad (32,3 nm) – Mit dem ersten Licht verließen wir Gouda.
Nach kurzer Fahrt scheuste die Asgaard in der Julianasluis in die Hollandsche IJssel.
Die Hollandsche Ijssel steht dem unter Gezeiteneinfluss aus Rotterdam. Mit leichtem Strom "mit" ging es zur Algarabrug in Krimpen a/d Ijssel, die für uns um 11 Uhr öffnete. Mit Gegenstrom durchfuhren wir die Nieuwe Maas und dann die Noord Richtung Alblasserdambrug, die wir genau zum Zeitpunkt der Brückenöffnung erreichten. In Dordrecht bogen wir, bei starkem Nieselregen und schlechter Sicht in die Oude Mass ein und gingen nach kurzer Fahrt längsseits an eine niederländischen Yacht in der Wartezone für die Sporbruggen Gouda. Um 14 Uhr passierten wir die Brücke, die Fahrt ging weiter durch das Dordtsche Kil. Schließlich erreichten wir das Hollands Diep. Der Wind stand uns genau auf die Nase, so dass wir die kurze Fahrt auch hier unter Maschine nach Willemstad fortsetzten.

14.Tag Willemstad - Dintelmond (6,8 nm) – Von Willemstad fuhren wir bei Windstille zur Volkeraksluis. Nach dem Schleusen versuchten wir uns im Segeln. Nach kurzer Zeit bargen wir die Segel jedoch wieder und fuhren den Rest unter Maschine nach Dintelmond. Nach 4 Monaten Abwesenheit im Heimathafen war es ein richtig schönes Gefühl, wieder zu Hause zu sein. Beim Einlaufen wurden wir sogleich auf der Salacia zum Kaffee eingeladen. Hier erzählten wir unsere gegenseitige Erlebnisse der letzten Segelreise. An diesem Tag führten wir noch mehrere Schwätzchen mit Segelfreunden, Stegnachbarn, Hafenmeistern etc.

Insgesamt fuhren wir 475,5 Seemeilen, davon 349,6 unter Segeln und 125,9 unter Maschine.

Frei nach dem Motto: Nach dem Törn ist vor dem Törn sind wir schon jetzt wieder mit den Planungen für nächstes Jahr beschäftigt. Es wird wohl nach Frankreich und England gehen.

 

Noorderhaven Harlingen

 

 

Museumshafen Zuiderzeemuseum

 

Die Asgaard in der nächtlichen Amsterdam-Marina

 

Spoorbruggen Gouda

 

 

Sommertörn 2014  Dintelmond - Hamburg Wedel  14.06.2014 - 26.06.2014

Nordsee bei Rotterdam

 

 

Provisorische Konstruktion Pinnenhalterung

 

 

 

Vlieland – Hafeneinfahrt

 

 

Borkum – Einfahrt Fischerbalje

 

 

Nautische Unterlagen: Törnführer: Holland 1 & 2, Nordseeküste Cuxhaven bis Den Helder und Elbe bis Sylt • Kartenmaterial: Navionics Gold 28 XG, Niederländische Seekarten - Kartenserie 1801, 1811 und 1812, BSH Sportbootkartenserie D 3014 und D 3015, Elbe-Atlas 2014-2015 • Gezeiten: NL-Tides HP33D, Gezeitenkalender Deutsche Bucht, Gezeitenstromatlas der küstennahe Gezeitenstrom in der Deutschen Bucht.

 

1. Tag Dintelmond - Stellendam (20,9 nm) – Mit allen nötigen Ausrüstungsgegenständen und einer guten Ration Getränke und Lebensmittel versehen starten wir unseren ersten Tag. Die Fahrt von Dintelmond nach Stellendam verläuft flott, unkompliziert und macht Lust auf mehr. Der böige Wind strengt zwar Steuermann und Steuerfrau an, aber im bekannten Heimatrevier stört das nicht weiter. In Stellendam treffen wir die letzten Vorbereitungen für die Nordsee. Die Rettungswesten werden eingestellt, Lifelines gespannt und unter Deck alles sicher und fest verstaut. Eine komplette Sicherheitseinweisung nach Checkliste erfolgte bereits in Dintelmond. Da für die kommenden Tage ordentlich Wind angesagt ist und auch die Temperaturen nicht wirklich hoch gehen, sind Ölzeug und zur Vorsicht auch eine Mütze bereitgelegt.

 

2. Tag Stellendam - Ijmuiden (68,7 nm) – Früh um 07.10 fahren wir zur Schleuse und gehen zusammen mit zwei Angelschiffen zügig durch. Auf der Nordsee erwartet uns ein böiger Wind mit bis zu 20 Knoten. Wir kreuzen abschnittweise und binden nach 35 Meilen das 1. Reff ein, weil die Asgaard sich stellenweise nicht mehr allzu gut steuern lässt. Beim hart am Wind Kurs geht das Wasser einige Male über. Besonders im Mündungstrichter der Maas vor Rotterdam entwickelt sich eine hohe, kurze, chaotische Welle. Dieses Stück ist immer absolut unbequem zu fahren. Keine Probleme bereitet dafür die Großschifffahrt. Mit Anmeldung bei Maas Entrance auf Kanal 03 haben uns die Mitarbeiter der Verkehrszentrale auf dem Schirm. Wir nutzen das in der Seekarte empfohlen Gebiet zur Überfahrt, die eingegebenen Wegepunkte in unseren Plotter weisen uns den Weg. Ein beruhigendes Gefühl, denn ab und an wird sogar einer der Riesenpötte dazu verdonnert, auf die kleinen querenden Segelyachten zu warten und diese vor sich durchfahren zu lassen. Mit einigen, dem Kreuzen geschuldeten, Meilen mehr als geplant erreichen wir am frühen Abend den Hafen von Ijmuiden. Beim Anschluss des Landstromkabels stellen wir fest, dass die Elektrik* durch die großen Salzwassermengen, die durch den Ankerkasten gespült wurden so gelitten hat, dass sie nicht mehr funktioniert. Der Stromeingang wird zum Trocknen abgeklebt, das Kabel zum Trocknen in die Kajüte gelegt. Unser Verlängerungskabel schließen wir mit passendem Adapter an, legen es durchs Vorlug direkt in die Kajüte und schließen am Dreifachstecker das Ladegerät und sonst noch nötige Elektrogeräte an.
*bei der Dehler Optima 101 ist die Landanschlussbuchse im Ankerkasten

 

3. Tag ijmuiden - Den Helder (40,6 nm) – Als eingefleischte Gezeitenfahrer gehen wir diesmal bereits mit dem ersten Büchsenlicht um 5 Uhr heraus. Bis zur Mittagszeit wollen wir das Schulpengat erreichen, um den Strom nach Den Helder noch mitlaufend zu haben. Wieder kämpfen wir mit starken Winden und Wellen von ca. 2,5 Metern. Gegen 11 Uhr erreichen wir das Gat zwischen Texel und Den Helder und wollen gerade einfahren, als die Pinne sich komplett aus ihrer Halterung löst. Die Mutter der Schraube durch die Pinnengabel war abgeschert, die Schraube gelockert und dadurch die Pinnengabel komplett aufgebogen. Mit mächtigem Schreck schaute die Steuerfrau auf die Pinne in ihrer Hand und die leere wild hin- und herschwankende Pinnengabel. Das Schiff gierte derweil heftig in den Wellen. Schraube und Mutter rettet der Skipper mit schnellem Griff vor dem Kullern ins Wasser. Dann ist schnelles Handeln angesagt, denn auf beiden Seiten wird es schnell untief und die Manövrierfähigkeit muss umgehend wieder hergestellt werden. Motor an, mit der Sicherheitsleine eingepickt und die Segel im hohen Seegang heruntergerupft, dann wird die Pinne wieder notdürftig instand gesetzt: Ein Schraubenzieher und ein Ankerbolzen sind an Stelle der Schraube durch die beiden Löcher geschoben, einige Kabelbinder geben zusätzliche Halterungen ab und am Ende stabilisiert eine dicke Manschette aus Astronautenband die ganze Konstruktion. Das hält jetzt erst mal, aber die Reparatur hat so viel Zeit in Anspruch genommen, dass der Strom inzwischen gegen uns setzt und wir nur noch mit max. 3 Knoten vorankommen. Die letzten unter Seemeilen unter Maschine (um einen erhöhten Ruderdruck zu vermeiden)ziehen sich so über drei Stunden hin. Auf Höhe des Leuchtturms erfolgt die Anmeldung über Kanal 62 bei Den Helder Traffic. Im Königlichen Marine Yachclub Hafen gelingt die Reparatur der Pinne mit Hilfe der Hebelwirkung durch einen Tampen-Knebel, der immer fester herumgezwirbelt wird. So kann die Ursprungsschraube wieder montiert werden. Der Ankerbolzen bleibt zur Sicherung ebenfalls mit drin.

 

4. Tag Den Helder - Vlieland (50,8 nm) – Nächstes Etappenziel ist Vlieland. Der Wetterbericht gibt Windstärken von 5-6 Bft. an. Um ordentlich mit dem Strom aus dem Seegat von Texel herauszukommen, hätten wir auf dem Weg über die Nordsee den Strom lange gegen uns. Die Entfernung ist mit 45 Seemeilen außen herum genauso lang, wie durch die Watten. So ist schnell der Entschluss gefasst, indoor über Harlingen zu segeln. Die Wattfahrwasser sind sehr gut betonnt und Wind- und Gezeitenverhältnisse lassen diesen Weg problemlos zu. Natürlich ist dieses Segelrevier auch landschaftlich wunderschön und es gibt unterwegs viel zu sehen. Wir kreuzen von Den Helder hinüber zum großen Texelstrom und lassen uns von ihm bis zum Scheurrak mitziehen. Ganz nah fahren wir an den Ijsselmeerdamm heran und halten auf Kornwerderzand zu. Nach einem kleinen Stück hoch am Wind in das Fahrwasser Boontjes hinein nehmen wir die Segel herunter und fahren mit Motor durch das extrem enge Fahrwasser. Auch Fischer nutzen die Engstelle, die mit einer Barre von 1,2 Metern für uns nur ca. 3 Stunden vor und nach der Hochwasserzeit sicher zu befahren ist. Das Timing ist allerdings perfekt und wir haben um 14 Uhr Harlingen am Scheitelpunkt der Gezeit querab. Schnell setzen wir wieder Segel und gehen auf Kurs Richtung Vlieland. Mit einigen Kreuzschlägen gelingt es, die Blauwe Slenk und den Vliestrom komplett zu durchfahren. Im Vliesloot nehmen wir vor dem Hafen Vlieland die Segel herunter. Bei der Anmeldung über Kanal VHF 12 sagt der Hafenmeister, dass wir einen freien Platz am Steiger G nehmen können.

 

5. Tag Vlieland - Borkum (80,5 nm) – Um 4.30 Uhr fahren wir aus dem Seegat von Terschelling aus. Der Strom zieht uns heraus und wird ca. drei Stunden gegen uns sein. Danach läuft er dann aber acht Stunden mit und unterstützt uns bei der sehr langen Fahrt nach Borkum. Mit kleiner Genua (III) und erstem Reff im Groß kommen wir mit dem 5er Wind bestens voran. Auf der Gezeitenwelle laufen wir durchweg 7-8 Knoten. Das Wellenbild ist wechselnd. Wenn wir die Gatten querab haben, steilen sie sich auf und werden kurz und unangenehm. Wellen von bis zu 2,5 Metern bilden sich aus. Das Vorschiff wird häufig überspült und einige Male kommt auch Wasser über. In einer ½ stündigen kräftigen Regenschauer treten massive Schauerböen auf, die die See zusätzlich aufrauen. Im letzten Teil des Törns fahren wir durch das Hubertgat auf Borkum zu. Wir folgen den Mittelwassertonnen (5 Stück im Abstand von je 2,5 Seemeilen). Sie sind recht schwer auszumachen, denn im Fahrwasser stehen auch alte Warnsignalanlagen und Gefahrentonnen. Die knallig orange Farbe fällt dann mit Hilfe des Fernglases doch immer wieder gut auf. Die Ansteuerung mit dem Plotter erleichtert zusätzlich die Fahrt, weil mit Hilfe des Kursstriches der Weg von Tonne zu Tonne genau identifiziert werden kann. Vor der Einfahrt ins Fahrwasser Westerems durchqueren wir eine letzte Flachstelle ohne Betonnung. Wir navigieren hier nur mit Plotter und halten uns auf dem Kursstrich von 80 Grad. Da wir im letzten Drittel der Gezeit sind, ist die Tiefe der unbetonnten Flachstelle aber mit 6 Metern mehr als ausreichend. Der Hubertstrom setzt mit 2,7 Knoten kräftig nach Ost. Eine Fahrt gegen an wäre wahrscheinlich kaum möglich. Auch das Wellenbild zeigte sich moderat. Die Wellen brachen sich an den Flachstellen nördlich des Gats, in der Fahrrinne gab es keine Beeinträchtigung. Mit achterlichem Wind segeln wir noch ein wenig die Westerems herunter und nehmen dann vor der Fischerbalje die Segel weg. Bei der Anmeldung hören wir, dass mehr als ausreichend freie Plätze an den Pontons IV und V zur Verfügung stehen. Für die nächsten Tage gibt es eine Sturmwarnung und wir wissen, dass der Borkumer Burkanahafen für einige Zeit unser Domizil sein wird.

 

6. bis 9. Tag – Inselleben auf Borkum
Zur ausgiebigen Erkundung der Insel Borkum hatten wir in den kommenden vier Tagen Zeit. Als schwimmendes Ferienhaus war die Asgaard im Burkana Hafen stationiert und von dort aus brachten uns Inselbahn und Inselbus zu allen gewünschten Plätzen. Der erste Tag war natürlich der Schiffsreinigung und dem Nachbunkern von Proviant gewidmet. Später zeigte sich, dass die Reinigung eigentlich für die Katz war, denn ein enormer Rostflug von feinsten, sehr aggressiven Rostpartikeln sorgte in den windigen und regennassen Tagen dafür, dass der Bootskörper am Ende mit tausenden rostroten Sprenkeln versehen war. Unser Inselleben verlief ansonsten ruhig und äußerst angenehm. Ein Saunatag in einer der Saunen mit der wohl schönsten Aussicht auf die brechenden Wogen der Nordsee, ein Fußballabend im stilvollen Yachthafen-Restaurant mit herrlicher Fischplatte vor dem Sieg des deutschen Teams, Wandeln auf der Strandpromenade und in der Fußgängerzone und einige Schwarzbrot-Herings-Happen in der lilafarbenen Strandbude. Unsere wichtigste tägliche Beschäftigung war natürlich das Abhören bzw. Nachschauen der Wetterprognosen. Diese ließ jedoch tagelang nichts Gutes von sich hören. Windstärken immer über 6 Bft., meist 7 und in Böen auch 8-9. Am zweiten Tag unseres Aufenthaltes war eine 52er Yacht, die hinter uns festgemacht war, drei Stunden nach dem Auslaufen wieder hereingekommen. Sie waren nicht gegen die hohen Wellen aus dem Gat herausgekommen. Die nautische Literatur beschreibt eindrucksvoll, dass das Westgat und das Riffgat vor Borkum nur bis Windstärke 5 einigermaßen befahrbar ist. Mit unserem ständigen Nordwester oder Nordern kam auch noch die Konstellation Wind gegen Strom dazu, denn eine Ausfahrt aus dem Gat sollte immer mit der Gezeit erfolgen. Auch ein anderes Vorkommnis zeigte uns, wie heftig Wind und Wellen auf der Nordsee tobten: Am zweiten Abend unseres Aufenthaltes war der Rettunskreuzer Alfried Krupp, der in Sichtweite von unserem Liegeplatz stationiert war, ausgelaufen. Auf Kanal 16 hörten wir von einer Hilfeaktion für eine recht große Yacht, die wohl einen Schaden am Segel hatte. Die Rettunstruppe begleitete das motorende Schiff über sieben Stunden lang in den Hafen von Borkum und man hörte aus dem Funkverkehr, dass es bis zu 6-7 Meter hohe Wellen gab. Verletzt wurde zum Glück niemand. Aus Anlaß der Aktion kauften wir in Borkum-Centrum, das Kochbuch der Seenotretter, das zum Teil auf der Alfried Krupp geschrieben wurde. Wir warteten also auch den Sonntag ab und befreiten die Asgaard mit viel Muskelschmalz von ihren Verschmutzungen. 

 

10. Tag Borkum - Helgoland (81,6) – Mit der kenternden Tide fuhren wir aus dem Borkumer Westgat Richtung Helgoland. Schnell entschieden wir, dass der Weg durch das Riffgat, der ca. 5 nm kürzer ist, kein Problem darstellt. Da der Wind uns genau auf die Bugspitze bläst, legen wir die erste Strecke mit Motor zurück. Dann setzen wir Segel und fahren entlang des Windparks Borkum. Unterwegs gibt es wieder einiges zu tun. Ein Schäkel an der Umlenkrolle des Großfalls am Mast hatte sich verbogen und musste ausgetauscht werden. Dazu gab es einen Wechsel des Vorsegels, denn die kleine Genua III zog beim schwächer werdenden Wind nicht genug. Das Verkehrstrennungsgebiet ließen wir so lange an Backbord, bis es sich ausläuft und wir ca. 1 nm nach Tonne TG 9 / Weser 2 Richtung Helgoland anlufen konnten. Da zu diesem Zeitpunkt absehbar war, dass wir den Hafen nicht mehr bei Tageslicht erreichen würden, rüsteten wir noch einmal auf die kleine Genua um und zogen später auch wieder das erste Reff ein. Diese Maßnahmen waren genau richtig, denn der Wind frischte zum späten Abend noch einmal merklich auf und die Anfahrt von Helgoland im Dunkeln war für uns ja auch ganz neu. Die befeuerte Leitlinie wies uns bestens den Weg und eine unheimlich seufzende Heulböje der westlichen Gefahrentonne des Naturschutzgebiet tat ihr Übriges, um uns zu zeigen, dass unser Kurs der Richtige war. Im großen Becken des Vorhafens machten wir die Asgaard klar zum Anlegen. Inzwischen war es so dunkel, dass wir mit Schleichfahrt und unter Zuhilfenahme des Plotterbildes in den Bereich der Ostkaje fuhren. Dort gab es Boxen mit Schwimmstegen, von denen noch einige frei waren. Einige Segler deuteten auf die freie Box neben ihnen und halfen auch gleich beim Festmachen. Nach einem mit 15,5 Stunden sehr langen aber auch segeltechnisch herrlichen Törn fielen wir erschöpft in die Koje.

 

11. Tag – Helgoland - Cuxhaven (42,7 nm) – Den Vormittag nutzten wir zur Besichtigung der Hochseeinsel mit dem besonderen Flair. Der Klippenweg zur Langen Anna, die Oberstadt und die Unterstadt und die Einkaufsmeile schlenderten wir umherschauend lang. Als die ersten Touristenboote anlandeten, machten wir die Asgaard wieder startklar und fuhren um 14 Uhr los. Mit moderaten achterlichen Winden erreichten wir die Einfahrt zur Elbemündung (Tonne Elbe 1) ein wenig vor dem Kentern des Stroms. Dieser zog uns zwar in den folgenden Stunden kräftig in die Elbe hinein, aber dafür ließ der Wind beinahe komplett nach und wir entschieden, den Motor für das Wegestück nach Cuxhaven anzuwerfen. Besonders tricky ist die Einfahrt in den Hafen, denn mit ca. 4 Knoten setzt der Strom quer zur Einfahrt. So erhöhte Thomas noch einmal die Drehzahl und wir schossen mit fast 7 Knoten auf die Einfahrt zu. Ein kräftiger langer Ton aus unserer Hupe sorgte für die Wahrnehmung auf der anderen Seite. Wir steuerten eine Box mit Blick auf die Elbe an und machten dort am späten Abend fest. Der moderne Yachthafen gefiel uns ausnehmend gut. Die Versorgung ist glänzend und die Übernachtungspreise nicht überteuert.

 

12. Tag Cuxhaven – Da der Hafen direkt am Rande des idyllischen Lotsenviertels liegt, war dies auch das Ziel unserer vormittäglichen Sightseeing- und Einkaufsrunde. In der Abendrunde schauten wir dann beim Hamburger Leuchtturm, beim Hafenbecken „Alte Liebe“, am Fähranlieger und am Strand von Cuxhaven vorbei. Die Stunden dazwischen nutzen wir dazu, die gesäuberten Gelcoteflächen mit Wachspolitur zu versiegeln. Nun konnte man der Asgaard nicht mehr ansehen, dass sie dem Rostflug von Borkum ausgesetzt gewesen war. Für das letzte Stück über die Unterelbe nach Wedel strahlte sie wieder in gewohntem Glanz.

 

13. Tag Cuxhaven – Hamburg Wedel (46,0) – Die angekündigten drehenden Winde entpuppten sich als südwestliche Winde und waren damit gegen an. Wir hatten auf der Karte ca. 40 Semmeilen abgezirkelt und entschieden nach einem kurzen Versuch des Segelns, die Strecke unter Motor zurückzulegen. Der Strom zog uns in den ersten vier Stunden stark, flaute dann aber wieder ein wenig ab, als wir uns dem Zielhafen näherten. Im Hafen Wedel wartete der Yachtmechaniker bereits ungeduldig auf uns, denn er wollte noch vor dem anstehenden Fußballspiel der Deutschen Mannschaft um 18 Uhr den Mast legen. Just in time machten wir am Mastkran fest und ratz-fatz war in nicht mal zwei Stunden alles fertig für den Krantermin am nächsten Morgen. Einen wundervollen Sonnenuntergang und die abschließende Nacht des Törns genossen wir in einer bequemen Box des riesigen Hamburger Yachthafens. Jetzt warten wir auf Anfang September um mit dem von der Wrede Werft neu Instand gesetzten Unterwasserschiff zurück nach Dintelmond zu segeln.

 

Asgaard-Crew vor "Langer Anna"

 

 

Blick über Helgoland

 

 

Gewitterfront über Cuxhaven

 

 

in der Unterelbe zusammen mit der MSC Rachele

(Länge 334 m, Breite 42,80 m, Tiefgang 15 m)

 

 

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© Thomas Saueressig